Begrüssung / 451°F - 451°F Film-Newsletter

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Begrüssung

Newsletter119

Am diesjährigen "Sound & Stories"-Musikclip-Wettbewerb der 45. Solothurner Filmtage gewinnen Jonas Meier und Mike Raths sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis für ihren Clip "One Up Down Left Right“, den sie für die Band Rusconi gedreht haben. Die Preise sind mit jeweils Fr. 5'000.- dotiert. Herzlichen Glückwunsch! Ihr könnt den Gewinnerclip direkt auf der Website zweihund.com von Jonas Meier, Beni Wülser und Mike Raths anschauen.

451° Filmportal über Jonas Meier

Weitere Filme von Zweihund:
Cevapcici Musik: Ellen Allien (2005)
Music Machines Musik: break the box - my brothas spring (philipe de boyar remix) (2008)
Rasende Liebe Regie: Jonas Meier Dokumentarfilm (2008)
Mary Jane Musik: My Name Is George (2008)

Newsletter114

Auf seinem Werdegang zum Filmschaffenden spielte die Musik für Laurin Merz eine bedeutende Rolle. Ähnlich wie andere ein Instrument spielen, hat Laurin schon früh die Tontechnik für sich entdeckt. Die Aargauer Punkband „Bettnässer“ baten ihn anfangs der 90er Jahre ein Demotape für sie aufzunehmen und später Konzerte abzumischen. Zur selben Zeit arbeitete Laurin beim alternativen Radiosender „Aargauer Regional Radio“, dem heutigen Kanal K, und lud befreundete und durch seine Tönlertätigkeit neu kennen gelernte Bands zum Interview. Mit einer Affinität für technische Dinge interessierte er sich auch schon damals für Kameras, Fotografie und für den Film. So war er Mitglied im Filmclub der alten Kantonsschule Aarau, und als er an eine andere Schule wechselte, die keinen Filmclub besass, gründete er kurz darauf einen eigenen. In beiden Filmclubs stiess Laurin auf junge Filmbegeisterte, von denen einige heute auch als Regisseure arbeiten, wie beispielsweise der Regisseur und Cutter Mike Schaerer oder auf Alain Gsponer, dessen Verfilmung des Romans „Lila, Lila“ von Alain Suter in diesen Tagen in den Kinos anlief. Laurins Interesse am Film und Journalismus bestimmte schliesslich auch seine Studienwahl der Filmwissenschaften und Publizistik an den Universitäten Bern und Zürich. Nebenbei arbeitete er als Redakteur beim Schweizer Radio DRS 1 und 3, wobei ihm nicht zuletzt seine Erfahrungen als Tontechniker den Einstieg in den neuen Beruf erleichterten. Darauf folgten erste Arbeiten als Regieassistenz beim Film und Fernsehen, sowie schliesslich eine Anstellung als Kulturredaktor beim Schweizer Fernsehen.

Newsletter101

Die GewinnerInnen des diesjährigen Fantoche-Festivals stehen fest: Im internationalen Wettbewerb gewinnt der chilenische Film "Lucia" aus dem Jahr 2007 von Cristobal Leon, Joaquin Cociña und Niles Atallah, den Publikumspreis erhält "Muto" von Blu, IT 2008. Im Schweizer Wettbewerb setzen sich gleich zwei Filme durch, nämlich "Retouches" von Georges Schwizgebel und "Flowerpots" von Rafael Sommerhalder, den Publikumspreis erhält "Signalis" von Adrian Flückiger. Wer das Fantoche verpasst hat oder einfach die besten Filme nochmals sehen möchte, kann dies zum Besipiel morgen Dienstag um 20.30 Uhr im Kinok in St. Gallen, am Mittwoch ab 19.00 Uhr im Kino Riffraff in Zürich oder am Freitag ab 19.00 Uhr in der Cinématte in Bern.
Alle GewinnerInnen des Fantoche 09 findet ihr hier.

Noch bis zum 21. September könnt ihr auf www.shortfilm.ch über den mit Fr. 2'500.- dotierten Publikumspreis des "Olympic Short Film Contest" via Internet mitentscheiden. Zur Auswahl stehen "Playing Tennis with Jean-Luc Godard" von Fernando Coimbra aus Brasilien, "Yi" von Lin Kai aus China, "Lausanne, Louzaane" von Mohamed Ali Chediak aus Spanien und "19.30" von Ari Zehnder & Eric Andreae, mit Gilles Tschudi, Fatouma Sanneh und Daniel Frei aus der Schweiz.

Newsletter100

Am Movie Marathon des diesjährigen Talentscreen-Wettbewerbs zum Thema "Langstrasse" konnte sich "Urcheibe" von Marc Widmer und Team sowohl beim freitagabendlichen Publikum in der Gessnerallee wie auch bei der Jury gegen weitere 94 Filme durchsetzen. Auf www.talentscreen.tv können alle eingereichten Filme des "Movie Marathon" gesichtet und bis 22. September bewertet werden. Hier noch die GewinnerInnen seit 2006: Rakete von Simon Jacquemet und Matthias Huser, 2007: Eifach Hange Blibe von Rolf Näpfer, Gianni D'Aulerio und Martin Inderbitzin, 2008: Laboratoire Salopière von Serge Wohlgensinger und Sibylle Dubs.

Morgen Dienstag beginnt in Baden das neu jährlich stattfindende Animations-Filmfestival Fantoche mit Kurzfilmen im Internationalen Wettbewerb und Schweizer Wettbewerb (u.a. mit "The Bellringer" und "Jungle Seasoning" von Dustin Rees, "In Limbo" von Michelle Ettlin, "Tôt ou Tard" von Jadwiga Kowalska, "Die Seilbahn" von Claudius Gentinetta & Frank Braun und "What's Next?" von Adrian Flückiger & Claudia Röthlin). Ausserhalb des Wettbewerbs werden bis zum kommenden Sonntag 10 abendfüllende Animationsfilme sowie Kinderfilme gezeigt. Mit den thematischen Schwerpunkten Mensch & Animation und Animation & Game Design, der Einladung der beiden Filmschulen TAW in Viborg und MOME in Budapest, Ausstellungen, Vorträgen, Podien & Workshops und dem Rahmenprogramm, in dem am Freitag Abend das Roboter-Musiktheater "Six Freaks Under" auftritt, gibt das Festival einen spannenden Einblick ins Animationsfilmgenre.

Newsletter093

Schon als Teenager hat Giuseppe Valentino Kurzgeschichten geschrieben, doch den Anstoß, selbst einmal die Kamera in die Hand zu nehmen lieferten zwei Filme. Zum einen der polnische Spielfilm „Hands Up!“ von Jerzy Skolimowski aus dem Jahr 1967, und zum zweiten „Dilinger Is Dead“ vom italienischen Regisseur Marco Ferreri von 1969. Begeistert von diesen beiden Werken, bekam Giuseppe Valentino selbst Lust eine längere Geschichte zu schreiben und mit einer alten Super 8 Kamera startete er die ersten Versuche ins Filmmetier. Er besuchte Kurse, beispielsweise über Drehbuchschreiben und Filmlicht, und arbeitete später als Assistent bei einer Produktionsfirma in Bari in Süditalien und vertiefte dort sein filmisches Wissen. Seit nunmehr sieben Jahren lebt Giuseppe Valentino in der Schweiz und realisierte mehrere Projekte, wobei er sich an diversen filmischen Gattungen versuchte, wie den Dokumentarfilm, Kurzfilm oder Videoclips, die einen besonders wichtigen Stellenwert für ihn einnehmen. So drehte er zwei Clips für die Zürcher Rockabilly Truppe „Hillbilly Moon Exploison“, zum Song „The Brown Eyed Boy“ und zu „Live The Life“, der an einem Boxwettkampf in der Tonimolkerei gefilmt wurde. Letztes Jahr realisierte er einen Musikvideo zum Song "I'm Over With You" für die DVD „Surreal Folk Blues Gospel Trash Vol 3.“ von Reverend Beat-Man, die insgesamt 19 Videoclips enthält, die alle von verschiedenen Filmemachern fertig gestellt wurden. Giuseppe experimentierte dabei mit dem Licht, das separat aufgenommen und später über das Filmnegativ gelegt wurde und somit einen interessanten, psychedelischen Effekt entstehen liess. Auch bei der Erstaufführung von „Birth“, ein Zusammenschnitt aus Filmen der frühen Sowjetunion, arbeitete er mit der Band „Hard Coming Love“ zusammen, die an einem Themenabend über den Ostblock in der Galerie "Perla-Mode" live den Soundtrack zum Film lieferten (hier „Birth“ mit anderer Musik ansehen).
Das Budget für den Dreh solcher Musikvideos ist meist sehr klein, dennoch ist Giuseppe sehr daran interessiert für weitere Bands Videos herzustellen, da die Arbeit mit MusikerInnen seiner Meinung nach sehr anregend ist und so viele neue Erfahrungen gemacht werden können. Und mit wenig Geld ein Projekt zu realisieren kann einen durchaus auch zu kreativen Leistungen beflügeln. Wie beispielsweise im Film „WE“, der sich momentan in der Postproduktion befindet. Der Film spielt in der Zukunft und handelt von einer Welt, der das Erdöl ausgegangen ist, und wie die Menschheit auf das Chaos in einer solchen Endzeitstimmung reagiert. Ohne grosse finanzielle Mittel ist es natürlich schwierig einen Sciencefiction-Film mit beeindruckenden Spezialeffekten zu machen. Für Giuseppe Valentino ging es somit auch mehr darum die Stimmung und ein Gefühl für diese Zukunft zu vermitteln, als sie explizit in Bildern festzuhalten, was zwar bisweilen anstrengend sein kann, aber auch grossen Raum zum Experimentieren mit neuen filmischen Mitteln und Formen bietet.
Christoph Sulser

Weitere Filme von Giuseppe Valentino ansehen: "The 100Km/h Maniac" - "Zelot" - "Rumore"

Newsletter092

Im heutigen Newsletter wollen wir Euch mit Timothée Léchot und Mathieu Poget zwei junge Regisseure aus der Romandie vorstellen. An den Jugendfilmtagen vom vergangenen März wurde in der Kategorie D, Jugendliche bis 25 Jahre, ihr Film „Le Coup“ gezeigt. Auf einem Kirchenhof spielt eine Gruppe eine Partie Pétanque, die jäh unterbrochen wird, als ein Golfer den Schauplatz betritt. Eine junge Frau, die der Gruppe angehört, lässt sich mit dem Neuankömmling auf ein Golfspiel ein, das von Abschlag zu Abschlag ihre Beziehung zueinander verändert.
„Le Coup“ wurde während eineinhalb Tagen abgedreht, dies gemäss den Regeln des Festivals „Courgemétrage“ in Neuchâtel, wo der Film das erste Mal aufgeführt wurde. Die Figuren im Film wurden ausnahmslos mit Laienschauspielern besetzt. Beide Regisseure betreiben das Filmen in ihrer Freizeit und besuchten keine Filmschule. Timothée Léchot studierte Französische Literatur und interessierte sich schon früh für das Schreiben von Geschichten. Bei einem längeren Aufenthalt in Paris entdeckte er die Filmgeschichte für sich und sein Interesse für Filmkritiken erwachte. Mathieu Poget studierte zunächst Politikwissenschaft und nun Philosophie, wobei er das Studium bald abschliessen wird. Er kam durch verschiedene Tätigkeiten rund um die Welt des Films zum selbigen. Durch Festivaljobs, das Schreiben von Kritiken und Einsätzen an Drehorten war es ganz natürlich, dass er selbst einmal einen Film realisieren würde. In ihrem gemeinsamen Erstlingswerk wollten die Beiden ein Gefühl der Melancholie und der Nostalgie vermitteln, ohne die Szenerie an eine gewisse Epoche zu binden. Nach Aussagen der Regisseure läuft „Le Coup“ demnächst an diversen Festivals. Falls ihr ihn in einem Programmheft entdeckt, lohnt es sich auf jeden Fall, sich den Film anzusehen.
Christoph Sulser

Newsletter090

Diesen Juli und August zeigt das Filmpodium in Zürich eine Werkschau über die Coen Brothers, die am kommenden Mittwoch mit ihrem Erstlingsfilm „Blood Simple“ beginnt. Die Brüder Joel und Ethan Coen wurden in St. Louis Park, einem Vorort von Minneapolis, Minnesota, als Söhne eines Wirtschaftsprofessors und einer Professorin der Kunstgeschichte geboren. Seit ihrer Kindheit faszinierte sie die Welt des Kinos und mit einer Super 8 Kamera drehten die beiden Spielfilme aus dem Fernsehen nach. Joel besuchte nach dem College eine Filmschule in New York, der jüngere Ethan studierte zunächst Philosophie, bevor er mehrere Kurzgeschichten veröffentlichte.
Das Brüderpaar prägt nun schon seit über einem Vierteljahrhundert das amerikanische Kino und hat in dieser Zeit, lange vor Quentin Tarantino, klassische Genres, wie den Film Noir oder die Screwball-Komödie wieder belebt und ihnen eine andere Richtung gegeben. Die beiden leben in New York, weit weg von Hollywood, und schreiben ihre Geschichten, führen Regie, produzieren und schneiden ihre Filme selbst. Und auch wenn nicht jeder ihrer Filme ein Kassenschlager wurde, wie zuletzt „No Country For Old Men“ oder „Burn After Reading“, so ist doch meistens das Kritikerlob auf ihrer Seite. Manche Kinobesucher mögen sich in gewissen Filmen der Zwei an den abstrusen Gewaltdarstellungen stören. Dennoch muss man sagen, die Filme der Coen Brothers bestechen durch die verrücktesten Situationen, den schrägen Charakteren und die unzähligen zum Brüllen komischen Momente.
Christoph Sulser

Newsletter089

Sonntagmorgen in Tokyo. Eine Gruppe von Rockabillys, mit Lederjacken und spitzen Schuhen bekleidet, trifft sich in einem Park. Die Elvistolle sitzt, es wird Bier getrunken und aus einer Musikanlage dröhnt trashiger Rock’n’Roll. Die ersten beginnen ihre Hüften zu schwingen. Bald darauf tanzt die ganze Gruppe und zelebriert mitten in der Stadt ihren Lebensstil, umringt von neugierigen Fussgängern.
John Canciani hat dieses Phänomen der japanischen Subkultur in seinem Film „Tokyo Rock’n’Roll“ festgehalten. Als grosser Filmfan besitzt er eine Sammlung von über 1000 DVD’s, die von Klassikern zu Arthouse-Filmen bis zu japanischen Samurai und Underground- Filmen reicht. Den letzten Antrieb selbst eine Videokamera in die Hand zu nehmen, lieferte schliesslich Lars von Trier, der in einem Zeitungsinterview sagte, dass ein Film zu drehen einfacher sei als man denke. Zusätzlich beschäftigte sich John Canciani schon seit seiner Jugend mit Fotografie, wobei er in diesem Bereich versucht die Realität so abzubilden, wie sie ist, und nicht etwas Inszeniertes zeigen möchte. Auch „Tokyo Rock’n’Roll“ besitzt einen dokumentarischen Charakter, jedoch nicht im klassischen Sinne. Der Film erinnert mehr an die Dokumentarfilme der britischen Free Cinema Bewegung der 50er Jahre. Ohne kommentierende Dialoge wird das Gefilmte dem Betrachter vorgeführt. Weiter wuchs sein Interesse am Filmemachen durch den Filmclub „La Pelicula“, der John in Winterthur programmiert hat. Mittlerweile ist er auch für die Programmation und die Durchführung der Kurzfilmabende „Kurz&Knapp“ in Winterthur zuständig. John Canciani, der die Fotografie und das Filmemachen autodidaktisch erlernt hat, arbeitet zur Zeit nicht hauptberuflich auf diesem Feld, möchte sich jedoch in Zukunft mehr Zeit nehmen sich seiner Leidenschaft zu widmen.
Christoph Sulser

Newsletter088

An den letzten Jugendfilmtagen vom vergangenen März wurden die Werke von zahlreichen viel versprechenden Regisseurinnen und Regisseure gezeigt. Ein Film, der uns vom 451°- Filmportal besonders gefallen hat, heisst "Der Eierverächter", und stammt von Jannik Giger und Patrick Meury. Mit bestechender Kameraführung in Schwarzweiss gefilmt, gelingt es den beiden Regisseuren eine surreale Atmosphäre zu schaffen, die den Zuschauer auf eine rauschhafte Reise mitnimmt. "Der Eierverächter" hat an den Jugendfilmtagen den Spezialpreis in der Kategorie D, Filme von Jugendlichen bis 25 Jahren, gewonnen. Auch die weiteren Filme von Jannik Giger und Patrick Meury sind ähnlich skurril und besitzen eine eigentümliche Ästhetik, wie "Intrusion" oder "Intervention". Mit den beiden Regisseuren haben wir ein Interview geführt, dass Ihr hier lesen könnt.
(Christoph Sulser)

Newsletter087

Am vorletzten Sonntag ist in Zürich das Experimentalfilm und Videofestival „Videoex“ zu Ende gegangen. Während neun Tagen sind über 200 Filme und Videos präsentiert worden. Das in der Schweiz mittlerweile grösste Festival im Bereich Experimentalfilm fand zum elften Mal statt. Den ersten Preis im Schweizer Wettbewerb gewann Klaus Fromherz mit seinem Werk „35mm-Musik“. Der Film erinnere an zwei ehemals radikale Praktiken, den strukturellen Film und die Punkmusik, so die Jury. Doch habe sich Klaus Fromherz diesen avantgardistischen Formen nicht selbstverliebt angeeignet, sondern einen spielerischen Umgang mit dem Erbe der Avantgarde bewiesen. Das Filmmaterial werde zum Musikinstrument für die Länge eines Rocksongs.
Eine lobende Erwähnung von der Jury erhielt der Film „Alter Ego“ von Luc Gut, dessen Film „1km Zürich Hardbrücke“ letztes Jahr schon den Publikumspreis gewann.
Im Internationalen Wettbewerb gewann schliesslich der Argentinier Sebastian Diaz Morales mit seinem Werk „Oracle“.
Christoph Sulser

Newsletter086

Über Umwege ist Barbara Seiler zum Film gekommen. Lange Zeit hatte sie gar nicht daran gedacht, dass Filmemachen etwas für sie sein könnte. Zunächst machte die junge Regisseurin, die in Eisleben, einer kleinen Stadt in der ehemaligen DDR, geboren wurde, eine Ausbildung zur Dekorationsgestalterin und besuchte danach eine Journalistenschule in Berlin. Sie arbeitete als freie Redaktorin für verschiedene deutsche Medien und wurde schliesslich Kulturredaktorin fürs Schweizer Fernsehen. Hier realisierte sie zahlreiche Filmbeiträge und Dokumentarfilme, wie beispielsweise das Portrait „Landschaft in Bewegung“ über den Bündner Fotografen Hans Danuser, den sie über zwei Jahre lang immer wieder begleitete, oder das Making Of zum Klassikspektakel „La Traviata“, das live im Zürcher Hauptbahnhof aufgeführt wurde.
Vermehrt widmet sich Barbara Seiler nun dem Spielfilm. Durch ihr langes dokumentarisches Arbeiten wirken ihre Kurzfilme nach eigenen Aussagen fast schon künstlich und überdreht. Dies eine Art Kompensation, da sie hier nicht der Wahrheit verpflichtet ist, sondern das erzählen kann, was sie möchte. So entstanden der schwarzweiss Kurzfilm „Death by Scrabble“ und zuletzt ihr Diplomfilm „Tanz im Glück“ für das Master of Arts in Film Studium an der ZHdK. „Tanz im Glück“ erzählt die Geschichte von zwei verschiedenen Frauen, der Putzfrau Anna und der Börsenmaklerin Helen, die sich in einem Salsakurs ineinander verlieben, da sie aufgrund Männermangels miteinander Tanzen müssen. Barbara Seiler wollte in ihrem jüngsten Werk einerseits die Klassenunterschiede zwischen den beiden Protagonistinnen thematisieren und andererseits ein lesbisches Märchen erzählen. Am diesjährigen schwullesbischen Filmfestival Pink Apple wurde der Film vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen. „Tanz ins Glück“ läuft zudem das ganze Jahr hindurch an zahlreichen Festivals rund um den Globus.
Christoph Sulser

Newsletter082

Ab dem kommenden Donnerstag startet im Kino Xenix unter dem Titel „Désir et Discours“ eine Filmreihe über den Schweizer Regisseur Alain Tanner, der dieses Jahr seinen 80. Geburtstag feiert. Bis Anfangs Juni werden insgesamt siebzehn seiner Filme präsentiert. Zusätzlich zeigt das filmpodium neben zwei Filme von Tanner eine Auswahl der „Groupe des Cinq“.

Bevor sich der in Genf geborene Tanner ganz dem Film widmete, studierte er zunächst Wirtschaftwissenschaften, gründete jedoch schon an der Universität zusammen mit Claude Goretta einen Filmclub. Nach dem Studium heuerte Tanner 1952 in Genua bei einem Schweizer Frachtschiff an, 1955 ging er nach London, um beim British Film Institute und bei der BBC zu arbeiten. Beeinflusst durch die englische Free-Cinema-Bewegung, drehte Tanner dort seinen ersten Film, „Nice Time“, ein dokumentarischen Kurzfilm über den Piccadilly Circus an einem Samstagabend. Dieses Debüt wurde auch sogleich an den Filmfestivals in Venedig und Locarno ausgezeichnet. Tanner ging darauf für eine kurze Zeit nach Frankreich, wo er mit der aufkeimenden Nouvelle Vague in Berührung kam, jedoch von dieser Bewegung im Vergleich zum Free-Cinema weit weniger begeistert war. Schliesslich kehrte er zu Beginn der 60er Jahre nach Genf zurück, wo er zahlreiche Dokumentationsfilme für das Westschweizer Fernsehen drehte und die „Groupe des Cinq“, eine Vereinigung von fünf jungen Filmemachern, mitbegründete. Seine grössten Erfolge feierte Alain Tanner in den Siebziger- und Achtzigerjahren, so ist beispielsweise sein Film „Jonas qui aura 25 ans en l’an 2000“ aus dem Jahre 1976 bis heute der erfolgreichste Schweizer Film im Ausland, der allein in den USA eine Million Kinoeintritte verbuchen konnte.
Christoph Sulser

Newsletter081

Heute zeigt das filmpodium ab 18:15 Uhr ein Porträt über Walter Ruttmann. Der 1887 in Frankfurt geborene Regisseur gilt neben Hans Richter und Viking Eggeling als einer der bedeutendsten Vertreter des abstrakten Experimentalfilms. In den frühen zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte sich diese avantgardistische Bewegung in der Weimarer Republik. Die dabei entstandenen Filme sollten nicht im klassischen Sinn Unterhaltung bieten und enthielten keinen Erzählstrang. Auch eine Interpretation des Gezeigten wollten die Regisseure nicht anstreben. Für sie zählte vor allem die persönliche künstlerische Ausdrucksform und die Weiterentwicklung des noch jungen Mediums Film. Ruttmann zeichnete dabei seine abstrakten Filme auf Glasplatten, die schliesslich auf dem Filmnegativ nachkoloriert wurden. Auch liess er, wie beispielsweise für seinen Film „Lichtspiel Opus I“, speziell Musik dafür komponieren. So sah sich Ruttmann denn auch als Künstler der zwischen Malerei und Musik stand. Das Medium Film sollte dabei die Malerei lediglich kinematografisch beflügeln, so dass sich die Malerei zeitlich abspielt, wie die Musik, und sich nicht auf einen Moment reduziert. Eine Matinee im Berliner Filmpalast markierte 1925 den Höhepunkt und gleichzeitig das Ende dieser avantgardistischen Filmbewegung. Ruttmann arbeitete zu jener Zeit schon mit anderen Animationsfilmern wie Lotte Reiniger oder Fritz Lang zusammen und wandte sich auch anderen Filmgattungen zu. Zwei Jahre später feierte er mit seinem poetischen Dokumentarfilm „Berlin, Die Sinfonie Der Grossstadt“ wohl seinen grössten Erfolg.
Christoph Sulser

Newsletter080

Bevor Lisa Blatter den Studiengang Film an der Zürcher Hochschule der Künste belegte, besuchte sie zuerst zwei Jahre lang die Abteilung Lehrberufe für Gestaltung und Kunst. Im Bereich Film hat die junge Regisseurin schliesslich das Medium gefunden, mit dem sie sich am besten ausdrücken kann und das sie am meisten erfüllt. Nach der Produktion von mehreren Kurzfilmen und Videoclips, unter anderem für die Lovebugs oder dem Zürcher Rapper Lügner, hat Lisa Blatter mit ihrem Diplomfilm „Nachglühen“ das Studium erfolgreich abgeschlossen. Der Film handelt vom schwierigen Verhältnis einer jungen Mutter zwischen ihrer Tochter, nachdem der Vater gestorben ist und wie die Protagonisten mit der Trauer und der Einsamkeit umgehen. An der letzten Ausgabe des Kurzfilmfestivals shnit erhielt „Nachglühen“ den Preis als bester Schweizer Kurzfilm. Als eigentliche Vorbereitung zu „Nachglühen“ kann der Film „Traurige Jungs tanzen, wenn niemand hinsieht“ gesehen werden. Dieselbe Crew arbeitete an dieser Geschichte, der von der Gratwanderung zwischen Liebe und Freundschaft erzählt. In diesem Film wurden der Look, die Locations und die Art der Inszenierung ausprobiert. Bei der Realisation ihrer Werke arbeitet Lisa Blatter gerne mit anderen Filmschaffenden zusammen, so entstanden die meisten Projekte mit Simon Steuri als Co-Regisseur. Wenn zusammen an einem Strang gezogen wird, entstehen für sie bessere Ideen und die Projekte geraten nicht ins stocken. Für ihre Diplomfilme teilten sich die beiden die Crew und den Drehort, indem tagesweise die Rolle des Regisseurs gewechselt wurde. Dennoch entstanden so in zweieinhalb Wochen zwei völlig verschiedene Geschichten, neben „Nachglühen“ Simon Steuris Film "Vandalen". Auch arbeitete Lisa zusammen mit Ivana Lalovic am Drehbuch für deren Film „Ich träume nicht auf Deutsch“.
Als nächstes Projekt möchte sich Lisa Blatter wieder einem Drehbuch widmen, aber diesmal für einen Langspielfilm. Die Herausforderung dabei besteht für sie darin, dass zwar alles besser ausgedacht werden muss, aber gleichzeitig die einengenden Grenzen eines 15 Minuten-Kurzfilms gesprengt werden können.

Newsletter079

Morgen Dienstag zeigt die Filmstelle im Rahmen des Filmzyklus „Märchenhaft – Mythisch - Morbid: Fantastische Welten“ den Film „Spirited Away“ von Hayao Miyazaki. Für uns Grund genug, einen kurzen Blick auf die Biographie des Regisseurs zu werfen. Eine Synopsis zum Film könnt ihr hier lesen.

Hayao Miyazaki wurde am 5. Januar 1941 als zweites von vier Kindern in Tokio geboren. Seine Kindheit wurde neben den Auswirkungen des Krieges vor allem durch seine kranke Mutter geprägt, die nach der Geburt ihres vierten Kindes schwer an Tuberkulose erkrankte. Mit siebzehn Jahren fasste Miyazaki den Entschluss, das Zeichnen zu seinem Beruf zu machen, nachdem er den ersten langen, japanischen Zeichentrickfilm in Farbe, "Hakujaden" (The Legend of the Withe Serpent, 1958), im Kino sah. Dennoch begann er das Studium der Ökonomie an der Universität von Gakushuin. Vom Vater der modernen Mangas, Osamu Tezuka (Astro Boy, Kimba), beeinflusst, nutzte er in den vier Jahren Studium die Vorlesungen, um seinen Zeichnungsstil zu perfektionieren. Mit dem Abschluss der Wirtschaftswissenschaften in der Tasche, trat Myazaki beim grössten japanischen Anime-Studio, Toei Animation, seine erste Stelle an. In den kommenden Jahren arbeitete er für verschiedene Studios an zahlreichen Animationsfilmen- und Serien. Bei uns ist wohl die Serie „Heidi“ am Bekanntesten, von der Miyazaki später einräumte, er hätte dieses Projekt am liebsten abgelehnt, brauchte aber das Geld. Anfangs der 80er Jahre unterbrach er die Filmerei und widmete sich ganz den Mangas, vor allem einem, "Nausicaä aus dem Tal der Winde", das zwei Elemente enthält, die in den meisten seiner weiteren Filme zu finden sind. Einerseits der Wunsch nach Frieden und andererseits das Verhältnis der Menschen zur Natur. Miyazaki adaptierte die Geschichte auf Bitten seines Herausgebers als Animationsfilm, der an den japanischen Kinokassen sehr erfolgreich war. Dies führte wiederum dazu, dass Hayao Miyazaki zusammen mit Isao Takahata die Leitung eines neuen Studios angeboten wurde. Auf diese Weise entstand das Studio Ghibli, dass es den beiden ermöglichte, unabhängig Filme zu realisieren. Obwohl jeder einzelne so produzierte Film ein grosser Erfolg wurde, weigerte sich Miyazaki prinzipiell, Fortsetzungsgeschichten zu schreiben. Er widmete sich lieber nach Abschluss eines Projekts einer neuen Idee. Im Jahr 2001 erschien sein bis dahin erfolgreichster Film, "Spirited Away", der mit Produktionskosten von 19 Mio. Dollar den üblichen Rahmen seiner bisherigen Filme sprengte. "Spirited Away" war ein grosser Erfolg an den Kinokassen und gewann mehrere Preise und Auszeichnungen, wie beispielsweise den Goldenen Bären im Jahr 2002 auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin oder den Oscar für den besten Animationsfilm 2003. Bei Miyazakis Filmen ist nie ganz eindeutig auszumachen, was wirklich ist und was nicht. In seinen phantastischen Welten voller Geister und Magie kann sich hinter einem netten Äusseren durchaus Bosheit verbergen und ein zunächst verächtlicher Charakter entpuppt sich gegen Ende als der Gute. Dabei setzt Miyazaki seine Animationsfilme mit einem wahren Feuerwerk an Ideen um, und so werden die vermeintlich einfach gestrickten Geschichten zu einem komplexen und äusserst spannenden Seherlebnis.

Fiff

Die diesjährige Ausgabe des Fribourger Filmfestivals war die erste, die ganz unter der Leitung des neuen künstlerischen Direktors Edouard Waintrop stand. Der 57-jährige französische Filmkritiker, früher bei „Libération“, hatte zwar bereits letztes Jahr das traditionsreiche Festival geleitet, doch war 2008 ein Jahr des Übergangs, denn bei jener Ausgabe war Martial Knaebel, Waintrops Vorgänger, noch Mitglied der entscheidenden „comission artistique“. So wurde in diesem Jahr denn die Neuausrichtung deutlicher sichtbar: Mehr Genre-Kino, mehr Panorama-Reihen und weniger Berührungsängste mit bisweilen auch eher kommerziellem Kino. Besonders erfolgreich war dabei die Reihe „Out of Bollywood“, die sich dem indischen Kino der letzten Jahre verschrieben hatte, und die natürlich in gewisser Hinsicht vom Oscar-Gewinner „Slumdog Millionaire“ profitierte – ein glückliches Zusammentreffen, welches das Festival in seinem Vorfeld denn auch geschickt zu nutzen wusste. Die Zuschauerzahlen gaben nun der neuen Leitung Recht: 2009 war ein Rekordjahr. Mit fast 30 000 Eintritten lag man rund zehn Prozent über den Zahlen des Vorjahres, und bei den Akkreditierungen legte das Festival gar um 25 Prozent zu. Dieser Erfolg ist allerdings umgekehrt proportional zur Zahl der Filme, die nach dem Festival den Weg in die normale Kinoauswertung finden werden. Von allen neuen Filmen in den diversen Sektionen war gerade ein einziger dabei, der in der Schweiz einen Verleih hat. Das ist in der Geschichte des Festivals ohne Beispiel. Dass dann ausgerechnet dieser Film, das Drama „My Magic“ von Eric Khoo aus Singapur, den grossen Preis des Festival gewann, ist zwar vertretbar, war aber nicht zwingend. Insgesamt bot der Wettbewerb ein durchwegs hohes Niveau, er zeigte sich qualitativ ausgeglichener als in manchen früheren Jahren. Und die Panorama Reihen waren mit zwei aus Lateinamerika (Brasilianische Favela-Filme und Hommage an den Peruaner Francisco Lombardi), zwei aus Asien („Out of Bollywood“ und ostasiatische Mafiafilme) und einer aus Afrika („Made in Nollywood“ – Filme aus Nigeria) geografisch ausgewogen. Etwas aus dem Rahmen fiel nur die ebenso viel beachtete Reihe „Die Rache der Frauen“, in welcher mehrheitlich klassisches Hollywood-Kino zu sehen war, und die von einigen Puristen der politisch korrekten Films du Sud denn auch als Verwässerung des Profils kritisiert wurden. Doch mit solcher Kritik kann das selbstbewusste und vielfältige Festival von Fribourg gut leben.
(Geri Krebs)

Newsletter078

Die Möglichkeiten die das Medium Film bietet, fasziniert Simon Nagel von allen Kunstformen am meisten. Die ersten Schritte in diese Richtung machte er mit der Kamera seines Vaters. Mittlerweile hat er die Zürcher Hochschule der Künste im Bereich Film abgeschlossen und schon mehrere Projekte realisiert. Die Ideen zu seinen Filmen nimmt Simon Nagel dabei aus dem täglichen Geschehen. Er beobachtet normale Alltagssituationen und stellt sie auf den Kopf. Ist erstmal die zündende Idee gefunden und wird diese aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, erzählen sich die jeweiligen Geschichten mit dieser Art der Themenfindung wie von selbst. In seiner Hommage an den Hitchcock-Klassiker „Psycho“ erzählt er beispielsweise die Story aus der Sicht eines Eis und wird so zu „Pseicho“. Oder welche Möglichkeiten es gibt seine Zuneigung mit Hilfe einer Lampe zu zeigen, vermittelt der Kurzfilm „Frau Fuchs“, der in Zusammenarbeit mit Michael Werder entstand.
Simon Nagel bezeichnet sich als Perfektionist. Die anstrengendste Phase bei der Umsetzung seiner Filme ist die Zeit vor dem eigentlichen Dreh, wenn es um Vorbereitungen und Entscheidungen geht. Dann können durchaus auch mal Zweifel an seiner Arbeit auftreten, doch Simons Begeisterung zum Film und der Drang ein neues Projekt fertig zu stellen, liefern schliesslich ausreichend Motivation seine Filme zu vollenden. Auch die humoristische Seite in seinen Filmen ist ihm ein Anliegen. Dabei verwendet Simon Nagel einen eher subtilen Humor, der die komischen Seiten des Lebens aufzuzeigen vermag, die eben dann sichtbar werden, wenn der Alltag nicht zu ernst genommen wird. Wie in „Oh Tannenbaum“, in dem die Protagonisten auf der Suche nach einem geeigneten Weihnachtsbaum nach anfänglichen Schwierigkeiten doch noch zum Ziel gelangen. Welche Auswirkungen die Haltung eines Hummers auf das Liebesleben haben kann, zeigt sein jüngster Film „Eine Geschichte mit Hummer“, der dieses Jahr an den Solothurner Filmtagen lief und an vielen weiteren Festivals zu sehen sein wird.

Weitere Filme von Simon Nagel hier ansehen.

Homepage von Simon Nagel www.flypengs.net

Newsletter076

Gestern Sonntag gingen die 33. Schweizer Jugendfilmtage mit der Preisverleihung im Theater der Künste in Zürich zu Ende. Erfreulich waren die erstaunlich vielen guten Filmbeiträge und die zahlreichen Beiträge aus der französischen Schweiz, erfreulich auch die neue Zusammenarbeit mit dem Verein blindspot.ch, der sich für die Integration von behinderten mit nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen einsetzt.
Gewonnen hat in der Kategorie E (StudentInnen von Filmschulen, bis 30 Jahre) Anna Thommen mit "Second Me", der auch schon an den 12. Kurzfilmtagen Winterthur im November letzten Jahres den Jury- und Publikumspreis gewann. Den zweiten Platz erreichte Ivana Lalovic mit "Ich träume nicht auf Deutsch" (Kurzfilmpreis der Stadt Winterthur 2008) und den dritten Platz belegte Adrian Flückiger mit "Signalis" (Bester Nachwuchs-Kurztrickfilm 44. Solothurner Filmtage 2009), der auch gleich den Publikumspreis in dieser Kategorie für sich entscheiden konnte. Den Spezialpreis der Jury erhielt Rolf Hellat für seinen Geräuschexperiment-Film "Talin":
In der Kategorie D (Jugendliche bis 25 Jahre) gewann Augustin Rebetez mit "Noces, la fête du village de Courroux", einem in schwarzweiss gehaltenen Dokumentarfilm über sich massiv betrinkende Jugendliche an einem jurassisches Dorffest. Der zweite Platz ging an die Slam-Poetry-Texterin Lara Stoll mit dem Psychothriller "Das Besteck und ich" und den dritten Platz erreichte Luca Zuberbühler mit "QFTV". Alle PreisträgerInnen der 33. Schweizer Jugendflimtage findest du weiter unten in diesem Newsletter oder direkt hier.

Newsletter075

Letzten Samstag wurde erstmals der Schweizer Filmpreis im Kultur- und Kongresszentrum Luzern verliehen. Bei dem der Oscar-Verleihung nach empfundenen Gala-Abend setzte sich beim Spielfilm unter den fünf nominierten Filmen wenig überraschend Ursula Meier mit ihrem skurrilen, in keine Schublade passenden „Home“ durch. Die von Silvio Soldini geleitete siebenköpfige Jury zeichnete dieses Antiroad-Movie über eine Familie, die ihren Wohnsitz am Rande einer Autobahn auch dann nicht aufgibt, als der Straßenabschnitt in Betrieb genommen wird und eine Blechlawine vorbeidonnert, zudem mit dem Preis für das beste Drehbuch (Ursula Meier und Antoine Jaccoud) aus. Auch der Quartz für den besten Nachwuchsdarsteller ging mit dem elfjährigen Kacey Mottet Klein an einen Schauspieler von „Home“. Die anderen Darstellerpreise gingen an Celine Bolomey, die in Vincent Pluss „Du bruit dans la tête“ intensiv eine psychisch labile Frau spielt, die Stimmen hört, und an Dominique Jann für seine Verkörperung eines Clochards in Dominique de Rivaz „Luftbusiness“. Dass sich in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ Fanny Bräunings „No More Smoke Signals“ gegen Fernand Melgars „La Forteresse“ durchsetzte, mag auch daran liegen, dass Melgar schon vor drei Jahren für „Exit“ mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet wurde. Melgars gesellschaftspolitisch hochaktuellem Film zur Schweizer Asylpolitik wurde so ein vielschichtiger Film über die bedrückende Situation der Lakota Indianer in einem Reservat in South Dakota vorgezogen. Dass die Jury keineswegs unpolitisch votierte, zeigt der „Spezialpreis der Jury“ für Danilo Catti, der in „Giù le mani“ den Streik der Bellizoner Bahnarbeiter im März 2008 dokumentiert. Der Kurzfilmpreis ging an „Un día y nada“ von Lorenz Merz, in der Kategorie „Bester Trickfilm“ wurde "Tôt ou tard“ von Jadwiga Kowalska ausgezeichnet und zur „Besten Filmmusik“ wurde Marcel Vaids Soundtrack für Ayten Mutlu Sarays „Zara“ gekürt.
(Walter Gasperi)

Newsletter074

Seit ihrer frühsten Kindheit filmen die beiden Brüder Christoph und Simon Rahm. Autodidaktisch erlernten sie das Filmhandwerk und gründeten vor 5 Jahren „doppelrahm GmbH“. Ihre Arbeit besteht dabei aus Realisationen von Auftragsfilmen, Videoclips und Dokumentarfilmen, die sie mit Hilfe von verschiedenen Freelancern, die mittlerweile auch zur "doppelrahm"-Familie gehören, abdrehen. Christoph übernimmt dabei die kreative Leitung und führt Regie, Simon übernimmt den Businessteil und fungiert als Produzent. Das Drehen von Filmen vergleicht der Musikliebhaber Christoph mit einer Liveperformance einer Band. In einem begrenzten Zeitrahmen muss eine Szene hinhauen, der Film abends im Kasten sein. So wurden bis jetzt auch alle Produktionstermine eingehalten. Was im Moment des Drehens gefilmt wird, enthält somit eine gewisse Spontaneität, die sonst verloren gehen würde. Das Ziel der beiden ist, sich mit jedem Projekt, seien es nun Auftragsfilme oder Videoclips, kreativ zu steigern und anspruchsvollere Filme zu machen. Einen grossen Stellenwert haben für Christoph die Dokumentarfilme, die ein persönlicheres Arbeiten zulassen. Dabei ist ihm der soziale Aspekt und die Nachhaltigkeit seiner Werke wichtig. Die Protagonisten im Film, die Menschen und ihre Charakteren sollen beleuchtet werden. Christophs Leidenschaft zur Musik wird beim Dokumentarfilm „Backstage“ sichtbar, der letztes Jahr an den Solothurner Filmtagen gezeigt wurde. Der Film handelt von den Personen, die hinter den Kulissen des Gurtenfestivals arbeiten. Musiker sind dabei zwar keine zu sehen, diese stehen aber wiederum bei den Videoclips vor Christophs Kamera. Zuletzt waren dies die Altrocker von Nazareth, deren neuster Clip im Konzertlokal Hartholz im Kreis 5 abgedreht wurde. Auch die neusten Projekte von „doppelrahm GmbH“ behandeln einen sozialen Aspekt, so arbeitet Christoph an einem weiteren Dokumentarfilm über das Partyleben innerhalb unserer Gesellschaft.

Hier könnt ihr Filme von Christoph und Simon Rahm ansehen: Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm "Backstage". Videoclip von "Chekov & Gagarin". Auftragsfilm «"PC" -Tomac Computer AG» und das "Making Of" davon.

OSCAR-Preisverleihung

451° Filmportal präsentiert diesen Sonntag, den 22.2. ab 20 Uhr zusammen mit SWISS FILMS und Kurz & Knapp die OSCAR®-Nacht live im Seefeld-Razzia an der Seefeldstrasse 82 in Zürich und verlosen dazu 2 x 2 Tickets. Schicke jetzt eine Mail mit deinem Namen an info@451.ch

Zur Einstimmung zeigen wir in der speziellen Kino-Atmosphäre des Seefeld-Razzia OSCAR®-nominierte und prämierte Kurzfilme aus den Vorjahren und aus diesem Jahr. Dazwischen bleibt zu Giovannis Musik genügend Zeit für Gespräche und Prognosen für die anstehende Preisverleihung. Danach schalten wir live zur OSCAR®-Preisverleihung und fiebern mit Reto Caffi in L.A. und zusammen mit seiner hier gebliebenen Crew um die goldene Trophäe für den besten Kurzfilm mit.

Newsletter072

Diesen Mittwoch beginnt mit dem Film „Trafic“ von Jacques Tati das "ewz.stattkino" in Zürich. In seinem zweitletzten Kinofilm schlüpfte Tati das letzte Mal in die Rolle des ungeschickten Monsieur Hulot. Ausgestattet mit seinem typischen Regenmantel, einer langen Pfeife und viel zu kurzen Hosen macht sich Hulot zum Amsterdamer Autosalon auf, um dort seinen selbstgebauten und äusserst komfortablen Wohnwagen vorzustellen. Doch will ihm dies nicht so recht gelingen, da er fortlaufend gegen Autopannen, Staus und andere Missgeschicke zu kämpfen hat. "Trafic" ist eine typische Tati-Satire auf das moderne Leben und die Menschen, die versuchen, damit Schritt zu halten. Als besondere Dreingabe wird der Film am Mittwoch von zwei versierten Musikern live vertont. Zum einen vom „Schweizer König“ des Akkordeons, Hans Hassler, der in seinen Interpretationen Volksmusik, Jazz und Klassik durchstreift. Und zum anderen vom umtriebigen Schlagzeuger Tosho Yakkatokuo, der dem geneigten Konzertgänger aus diversen Bands, wie der Philipp Frankhauser Blues Band, Camp oder El Watusi bekannt sein dürfte. Die Geschehnisse in "Trafic" werden dabei von den beiden mit spontanen Interpretationen begleitet.

Wir verlosen für diesen Abend im ewz-Unterwerk Selnau 3 x 2 Tickets

Newsletter073

Die seit 1995 rappende Big Zis ist momentan die wohl beste Reimesängerin der Schweiz. War sie früher in Text und Musik noch schnell, provozierend und aggresiv ("Hunger", "Wott nur tanze", "Gib mer"), bestimmen auf ihrer neu erschienenen CD "UND JETZ ...was hät das mit mir z'tue?" die poetischen, im Reim perfekt austarierten Texte. In einem Umfeld, das von testosterongeschwängerter Luft und gewaltverherrlichenden Texten dominiert wird, kommt Big Zis auf ganz neue Wege und gibt dem Rap einen neuen, konstruktiven Drall in die Zukunft.
Musikalisch zeichnen sich vor allem die Brüder Marton di Katz und Valentino Tomasi, zwei Mitglieder von Kalabreses Rumpelorchester, aus, viele weitere MusikerInnen (DJ M T Dancefloor (Saalschutz), Sterneis, Sophie Hunger u.v.m.) haben an der Musik der neuen CD mitgearbeitet.
Das ehrgeizige Ziel von Big Zis ist, für jeden einzelnen der 13 Songs ihrer neuen CD einen Videoclip zu drehen, und dies im Wochentakt! Erschienen sind bis jetzt deren vier ("Fett", "Ich schwöör", "Käis Probleem" und "Biberreis"), die wir euch hier präsentieren dürfen und auch jeden Folge-Clip zeigen werden. Für die nächsten Clips werden auch noch Cutter gesucht!
Big Zis tritt am nächsten Samstag, den 28.2. mit dem Musiker Domenico Ferrari und den Tänzerinnen von L.C.B. in Zusammenarbeit mit dem Helsinkiklub im Moods im Schiffbau in Zürich auf. Weitere Konzertdaten: 21.3. Luzern, Südpol, 27.3. Chur, Club Selig, 30.4. Winterthur, Gaswerk, 6.6. Zürich, Stolze Open Air

Newsletter071

Nach der Eröffnung der 59. Berlinale mit Tom Tykwers Thriller „The International“ brachte das Wochenende mit Hans-Christian SchmidsStorm“ einen ersten Höhepunkt und Bärenanwärter. Schmid erzählt gewohnt nüchtern, aber gerade durch den quasi-dokumentarischen Gestus zutiefst bewegend vom Bemühen die Verurteilung eines gefassten serbischen Kriegsverbrechers vor dem Den Haager Kriegsgerichtstribunal zu erreichen. Klug und präzise durchleuchtet Schmid die Mechanismen, bei denen schlussendlich die Gerechtigkeit und damit das persönliche Schicksal eines Opfers politischen Überlegungen geopfert wird. Sozial engagiertes Kino bot auch die Dänin Annette K. Olesen, die in „Little Soldier“ mit hartem Realismus von der Traumatisierung einer Ex-Irak-Soldatin, aber auch von Menschenhandel und Prostitution erzählt. Völlig abgestürzt ist dagegen Lukas Moodysson, dessen „Mammoth“ sich als unglaublich prätentiöses und thesenhaftes Konstrukt erwies. Angelegt gewissermaßen als Gegenstück zu „Tilsammans“ erzählt der Schwede penetrant moralisierend von der Unfähigkeit des westlichen Menschen zur Kommunikation mit und Fürsorge für seine Kinder durch Fokussierung auf Beruf und Karriere.
(In Berlin: Walter Gasperi)

Newsletter070

Schon seit fast 30 Jahren beschäftigt sich der in Luzern geborene Claudius Gentinetta mit dem Medium Film. Mit zwölf Jahren realisierte er seinen ersten Trickfilm und seither kann er nicht mehr seine Finger davon lassen. Die sehr zeitintensive Arbeit an den Animationsfilmen vergleicht Claudius Gentinetta mit dem Besteigen eines Berges. Die Gefahr besteht bei längeren Projekten den Gipfel aus den Augen zu verlieren und auf Abwege zu kommen. Oft aber sind es genau die Umwege, die ihn auf die wirklich guten Ideen bringen. Die Frage nach der Motivation ist einfach zu beantworten, die hat er im Blut. Die Spitze des Berges erblickt und erst einmal erreicht, beginnt der Abstieg und mit diesem die ganze Filmpromotion, die ganz schön in die Beine gehen kann.
Sein neustes Werk „Die Seilbahn“ lief im Vorprogramm zum Spielfilm „Happy New Year“ von Christoph Schaub. Erzählt wird die Geschichte eines alten Mannes, der sich in einer ramponierten Seilbahn in die Höhe begibt. Ausgelöst durch eine kräftige Prise Schnupftabak, drohen heftige Niesattacken des Mannes die Gondel in ihre Einzelteile zu zerlegen, die er behelfsmässig mit Klebeband wieder zu flicken versucht. Der Film, der in Zusammenarbeit mit Frank Braun verwirklicht wurde, ist gerade erst an den Solothurner Filmtagen in der Kategorie „Bester Trickfilm“ für den Schweizer Filmpreis „Quartz“ nominiert worden und hat auch schon einige Preise an internationalen Festivals gewonnen. Mit seinem Schaffen möchte Gentinetta das Publikum erreichen, will heissen, er würde keine Filme drehen, die sonst niemand versteht. Und dennoch - oder gerade deshalb - hat er sich einen eigenen Stil erarbeitet, der fern vom Mainstream das Publikum zu begeistern weiss. Inzwischen sitzt er auch schon an einem neuen Projekt; ein ganz in schwarzweiss gehaltener Animationsfilm.

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