Arco
Filmkritik von Walter Gasperi
Ein zehnjähriger Zeitreisender landet aus der Zukunft in der vom Klimawandel bedrohten Erde des Jahres 2075, findet aber bald in einem gleichaltrigen Mädchen eine Freundin und Helferin: Visuell beeindruckender, aber auch etwas überladener französischer Animationsfilm, der die Kraft der Freundschaft feiert und für Umwelt- und Klimaschutz plädiert.
Broken English
Unter der Leitung von Tilda Swinton bietet das Porträt der Sängerin Marianne Faithfull an, ihre reichhaltige und ereignisreiche Vergangenheit (Ex-Freundin von Mick Jagger, Filmschauspielerin) neu zu rahmen.
Don't Let The Sun
Ein unerträglich heisser Ort. Menschliche Nähe ist rar geworden, und die Einsamkeit treibt seltsame Blüten.
Jonah (28) lebt im Dienst der Sehnsüchte anderer. Bis die Rolle als Vater für die 9-jährige Nika sein Leben komplett in Frage stellt.
Gelbe Briefe
76. Berlinale 2026: Goldener Bär
Filmkritik von Walter Gasperi
Ein türkisches Künstlerehepaar verliert wegen seines politischen Engagements seine Arbeit. Die zunehmend prekäre finanzielle Situation wirft die Frage auf, ob sie sich anpassen oder an ihren Idealen festhalten sollen: İlker Çatak dekliniert in seinem bei der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichneten Drama mit einem großartigen Ensemble und starken Dialogen packend das moralische Dilemma durch.
L'Étranger
Filmkritik von Walter Gasperi
François Ozons Adaption von Albert Camus´ existentialistischem Roman ist von Zurückhaltung und Respekt gekennzeichnet, setzt aber mit der stärkeren Thematisierung von Kolonialismus und Rassismus auch eigene Akzente: Eine kühle Literaturverfilmung, die durch die bestechenden Schwarzweißbilder und den genau kontrollierten Erzählrhythmus große Intensität entwickelt.
Melodie
Filmkritik von Walter Gasperi
Vom Schlaflied für ein Neugeborenes bis zum gemeinsamen Singen mit Demenzkranken: Anka Schmid spürt in ihrem Dokumentarfilm der beruhigenden und stärkenden Kraft des aktiven Singens und von Gesang nach.
Lange blickt die Kamera von Stéphane Kuthy und Patrick Lindenmaier auf ein Neugeborenes, das durch ein Schlaflied offensichtlich beruhigt wird. Dieser Auftakt stimmt schon auf die Erzählweise von Anka Schmids Dokumentarfilm ein. Viel Raum lässt die Regisseurin in langen, meist unbewegten Einstellungen den Sänger:innen und ihrem Gesang. So verstärkt der langsame Erzählrhythmus die Wirkung der Musik und überträgt sie auf die Zuschauer:innen.
Nouvelle Vague
Filmkritik von Walter Gasperi
Richard Linklater zeichnet nicht nur leichthändig die Entstehung von Jean-Luc Godards Klassiker "Außer Atem" nach, sondern bettet diese auch in das meisterhaft beschworene cinephile Umfeld der damaligen Erneuerer des Weltkinos ein: Eine große Hommage, die liebevoll und leidenschaftlich das Kino und jugendlichen Aufbruchsstimmung feiert.
Solidarity
SOLIDARITY ist eine filmische Reflexion über Solidarität als Phänomen. Jede Solidarität hat Grenzen und wirft ihre Schatten. Regisseur David Bernet sucht nach diesen Schatten und folgt seinen Protagonisten, allesamt Profis der Solidarität, durch die Krisen der letzten Jahre. Von Belarus, Ukraine, Polen, Libanon bis zum offenen Clash der Solidaritäten in Gaza.