Aktuell / 451° Kinofilmauswahl / Home / 451°F - 451°F Film-Newsletter

Anzeige

Der Mann Auf Dem Kirchturm

CH 2025, D/CH-Dial./d, 80', Regie: Edwin Beeler, Dokumentarfilm mit Anna Beeler-Nussbaumer, David Meile

Filmkritik von Walter Gasperi

Edwin Beeler spürt nicht nur dem Leben seines Großvaters nach, sondern zeichnet beiläufig auch das Bild eines verschwundenen Schweizer Dorflebens, patriarchaler Strukturen und eines familiären Traumas: Ein sehr behutsamer und berührender Dokumentarfilm, der gerade in der Fokussierung auf einer privaten Geschichte Universalität gewinnt.

Father Mother Sister Brother

US/IE/FR 2025, OV/df, 110', Regie: Jim Jarmusch, mit Cate Blanchett, Adam Driver, Mayim Bialik

Filmkritik von Walter Gasperi

In seinem in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneten 14. Spielfilm erzählt die 73-jährige US-Indie-Ikone Jim Jarmusch drei voneinander unabhängige Geschichten über Familienbesuche: Ein von einem großartigen Ensemble und meisterhaften Dialogen getragenes und von sanftem Witz und Melancholie durchzogenes, lakonisches Triptychon über Entfremdung und die Unfähigkeit zu echter Kommunikation.

Hiver À Sokcho

FR 2024, OV/df, 105', Regie: Koya Kamura, mit Roschdy Zem, Bella Kim

Filmkritik von Walter Gasperi

Eine junge Koreanerin, die ihren französischen Vater nie kennengelernt hat, beginnt aufgrund der Begegnung mit einem französischen Touristen sich mit ihrer Identität auseinanderzusetzen: Ein leises und unaufdringliches, aber visuell bestechendes und berührendes Spielfilmdebüt von Koya Kamura.

Kokuho - The Master Of Kabuki

JP 2025, OV/df, 174', Regie: Lee Sang-il, mit Ryo Yoshizawa, Ryusei Yokohama, Ken Watanabe

Filmkritik von Walter Gasperi

Sang-il Lee entführt in die faszinierende Welt des Kabuki-Theaters und erzählt von Freundschaft und Karriere, japanischen Traditionen und dem Preis des Ruhms: Ein bildmächtiges, mitreißendes Epos, das den Bogen über 50 Jahre spannt und mühelos fast drei Stunden fesselt.

Lesbian Space Princess

AU 2025, OV/df, 86', Regie: Leela Varghese, Emma Hough Hobbs, Animationsfilm

Die introvertierte Prinzessin Saira, Tochter der lesbischen Königinnen des Planeten Clitopolis, ist am Boden zerstört: Ihre Freundin, die Kopfgeldjägerin Kiki, hat mit ihr Schluss gemacht! Saira sei einfach zu langweilig, sagt sie. Dabei hat sie ihr ein so schönes Beziehungsalbum gebastelt!

Mother

MK 2025, OV/df, 104', Regie: Teona Strugar Mitevska, mit Noomi Rapace, Sylvia Hoeks, Nikola Ristanovski

In Kalkutta hilft Schwester Teresa den Bedürftigen, gleichzeitig wartet sie auf die Zustimmung des Vatikans zur Gründung ihres eigenen Ordens. Ihre Nachfolge im Kloster soll die fromme Agnieszka antreten, die ihr aber ausgerechnet jetzt einen kapitalen Fehler beichtet. Mit Noomi Rapace als Mutter Teresa und einem rockigen Soundtrack liefert Teona Strugar Mitevska einen modernen Film über eine umstrittene Frau. In sieben entscheidenden Tagen im Leben der in Skopje geborenen Heiligen zeigt die nordmazedonische Filmemacherin die zukünftige Mutter Teresa hin- und hergerissen zwischen ihren religiösen Überzeugungen und der Realität des Lebens, das sie umgibt.

Nacktgeld

CH 2025, D/f, 78', Regie: Thomas Imbach, mit Deleila Piasko, Milan Peschel, Jan Bülow

Lilis Sommerferien nehmen eine unerwartete Wendung, als ihre Mutter sie drängt, Dorsday, einen Freund der Familie um Geld zu bitten, damit ihr Vater nicht ins Gefängnis muss. In dieser Nacht verliert sie nicht nur ihre Würde, sondern auch alle bisherigen Gewissheiten.

No Other Choice

KR 2025, OV/df, 139', Regie: Park Chan-wook, mit Lee Byung-hun, Son Ye-jin, Park Hee-soon

Filmkritik von Walter Gasperi

Stilistisch brillant, sehr unterhaltsam, aber auch ausfransend: Park Chan-wook lässt in seiner schwarzhumorigen Gesellschaftssatire einen Papierfacharbeiter im Kampf um einen Arbeitsplatz nicht gegen die Bosse rebellieren, sondern seine Konkurrenten eliminieren.

Anzeige

One Battle After Another

US 2025, OV/df, D, 161', Regie: Paul Thomas Anderson, mit Leonardo DiCaprio, Sean Penn, Benicio Del Toro

Filmkritik von Walter Gasperi

Viva la revolución: Eine Widerstandsgruppe kämpft mit radikalen Aktionen gegen die Abschiebepraxis der rassistischen US-Behörden. - Inspiriert von Thomas Pynchons Roman "Vineland" gelingt Paul Thomas Anderson ein 161 Minuten, atemloser und auf jeder Ebene brillanter Film, der sowohl am Puls der Zeit als auch höchst unterhaltsam ist.

Qui Vit Encore

CH 2025, OV/df, 114', Regie: Nicolas Wadimoff, mit Adel Al Taweel, Haneen Harara, Eman Shannan

«Prix de Soleure» der 61. Solothurner Filmtage 2026

Tief bewegend und von stiller Wucht – ein eindringlicher Film über Verlust inmitten der humanitären Katastrophe – und darüber, Identität in düsteren Zeiten zu bewahren.

Sentimental Value

NO 2024, OV/df, 133', Regie: Regie: Joachim Trier, mit Renate Reinsve, Inga Ibsdotter Lilleaas, Stellan Skarsgård

Filmkritik von Walter Gasperi

Ein egozentrischer Regisseur, dem die Karriere immer wichtiger war als die Familie, und seine zwei gegensätzlichen Töchter: Joachim Trier erzählt in seinem in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichneten sechsten Spielfilm feinfühlig und vielschichtig ein klassisches Familiendrama um Kunst und Leben, um Entfremdung und Sehnsucht nach Versöhnung.

Silent Friend

DE, HU, FR, CN, 2025, D/E/df, 148', Regie: Ildikó Enyedii, mit Tony Leung Chiu-Wai, Luna Wedler, Léa Seydoux

Filmkritik von Walter Gasperi

Ein mächtiger, fast 200 Jahre alter Ginkgobaum dient der Ungarin Ildikó Enyedi als Bindeglied für drei Anfang des 20. Jahrhunderts, in den frühen 1970er Jahren und 2020 spielende Geschichten um wissenschaftliche Neugier, Offenheit und Achtsamkeit: Ein wunderbar leichthändiges, von feinem Humor durchzogenes, poetisches Meisterwerk.

Silent Rebellion - À Bras-Le-Corps

CH/BE/FR 2025, F/d, 96', Regie: Marie-Elsa Sgualdo, mit Lila Gueneau, Grégoire Colin, Thomas Doret

Schweizer Jura, 1943
Die junge Emma hat Glück. Sie lebt bei der Pfarrersfamilie des Dorfes und lernt beim Pfarrer lesen und schreiben. Gerade eben hat sie den Tugendpreis gewonnen, der ihr eine Ausbildung in der Stadt ermöglicht. 

The President's Cake

IQ/US/QA 2025, OV/df, 106', Regie: Hasan Hadi, mit Baneen Ahmad Nayyef, Waheed Thabet Khreibat, Sajad Mohamad Qasem

Irak in den 1990er Jahren: Jedes Jahr wird in den Schulen ausgelost, wer einen Geburtstagskuchen zu Ehren des Präsidenten Saddam Hussein backen soll. Diesmal fällt die Aufgabe der neunjährigen Lamia zu. Sie lebt mit ihrer Grossmutter in den mesopotamischen Sümpfen und Geld haben sie kaum. 

The Secret Agent

BR 2025, OV/df, 160', Regie: Kleber Mendonça Filho, mit Wagner Moura, Maria Fernanda Candido, Gabriel Leone

Filmkritik von Walter Gasperi

Kleber Mendonça Filho zeichnet in seinem in Cannes mehrfach preisgekrönten, packenden Politthriller ein atmosphärisch dichtes Bild des von Polizeiwillkür, Korruption, Angst und Verunsicherung geprägten Brasilien der Militärdiktatur der 1970er Jahre: Virtuos aufgebautes, inhaltlich vielschichtiges und visuell aufregendes Kino, das souverän die Spannung über 158 Minuten aufrecht hält.

The Voice Of Hind Rajab

TN/FR 2025, OV/df, 90', Regie: Kaouther Ben Hania, mit Amer Hlehel, Clara Khoury, Motaz Malhees

Filmkritik von Walter Gasperi

Im Januar 2024 versuchten Mitarbeiter:innen des Roten Halbmonds verzweifelt, die Rettung eines fünfjährigen Mädchens zu organisieren, das im Gazastreifen in einem zerschossenen Autowrack auf Hilfe wartete: Ein erschütternder, aber in der Vermischung von dokumentarischen Elementen und thrillerhafter Inszenierung auch zwiespältiger Film.

Anzeige

Anzeige