À Voix Basse
Filmkritk von Walter Gasperi
Als eine in Frankreich lebende junge Tunesierin zum Begräbnis ihres Onkels in ihre Heimat zurückkehrt, werden nicht nur langsam Familiengeheimnisse gelüftet, sondern auch gesellschaftliche Repression sichtbar: Ein von einem starken Ensemble getragenes feinfühliges Drama, das sanft, aber entschieden für Toleranz und Offenheit plädiert.
Amarga Navidad
Filmkritik von Walter Gasperi
In seinem 24. Spielfilm reflektiert Pedro Almodóvar in verschachtelter Erzählweise anhand eines in einer Schaffenskrise steckenden Regisseurs über Fiktion und Realität, über künstlerische Inspiration und Ausbeutung realer Schicksale: Ein kunstvoller, zwischen Autofiktion und Melodram pendelnder Film, der aber aufgrund seiner Überkonstruktion nur bedingt emotionale Kraft entwickelt.
Cosmos
In einem vergessenen Dorf in Yucatán kreuzt die 68-jährige Lena, eine einsame Witwe, den Weg des 62-jährigen Mayas Leon, der die Geheimnisse der Natur und der Geister hütet. Lena findet in Leon einen unerwarteten Gefährten.
H Is For Hawk
Filmkritik von Walter Gasperi
Eine britische Universitätsdozentin stürzt durch den plötzlichen Tod ihres geliebten Vaters in tiefe Trauer. Um dem Verstorbenen nahe zu sein, legt sie sich einen Habicht zu, verliert dabei aber zunehmend den Bezug zu ihrer Umwelt: Claire Foy brilliert in Philippa Lowthorpes feinfühliger Verfilmung von Helen Macdonalds autobiographischem Bestseller.
I Swear
Filmkritik von Walter Gasperi
Kirk Jones erzählt die Lebensgeschichte des am Tourette-Syndrom leidenden Schotten John Davidson als tragikomisches Feelgood-Movie: Ein von seinem großartigen Hauptdarsteller Robert Aramayo getragenes Biopic, das Akzeptanz gegenüber Menschen mit dieser Nervenkrankheit fördern soll und kann.
L'Inconnu De La Grande Arche
Filmkritik von Walter Gasperi
Stéphane Demoustier zeichnet die Auseinandersetzungen des dänischen Architekten Johan Otto von Spreckelsen bei der Umsetzung von Francois Mitterands Prestigeprojekt "La Grande Arche" nach: Eine von trockenem Witz durchzogene, stark gespielte Tragikomödie über künstlerische Visionen und realpolitische Behinderungen durch die Auftraggeber.
La Hija Condor
Filmkritik von Walter Gassperi
Eine junge Indigene soll im bolivianischen Hochland Nachfolgerin ihrer Ziehmutter als Hebamme werden, doch die Verlockungen der modernen Stadt sind groß: Álvaro Olmos Torrico erzählt ruhig und in großartigen Bildern eindringlich vom Aufeinanderprallen von Traditionen und Moderne – und dem langsamen Verschwinden und der Verdrängung des Alten.
The Love That Remains
Magnús ist als Fischer oft wochenlang auf hoher See. Anna ist Künstlerin und hofft, bald in einer Galerie ausstellen zu können. Die beiden haben sich vor Kurzem getrennt. Er ist ausgezogen. Sie ist im abgelegenen Haus nahe der isländischen Küste geblieben, zusammen mit ihren gemeinsamen Kindern und dem Familienhund. Doch Anna und Magnús schaffen es nicht wirklich, ihre Leben zu entflechten. Wegen der Kinder – oder ist da vielleicht noch eine Form von Liebe zwischen ihnen, die nicht vergeht?