Amarga Navidad
Filmkritik von Walter Gasperi
In seinem 24. Spielfilm reflektiert Pedro Almodóvar in verschachtelter Erzählweise anhand eines in einer Schaffenskrise steckenden Regisseurs über Fiktion und Realität, über künstlerische Inspiration und Ausbeutung realer Schicksale: Ein kunstvoller, zwischen Autofiktion und Melodram pendelnder Film, der aber aufgrund seiner Überkonstruktion nur bedingt emotionale Kraft entwickelt.
Calle Málaga
Filmkritik von Walter Gasperi
Carmen Maura brilliert als Seniorin, die von ihrer Tochter in ein Pflegeheim abgeschoben wird, sich aber widersetzt und nochmals Lebensfreude findet: Gefühlvoll und rund inszeniertes, warmherziges Feelgood-Movie über Selbstbestimmung im Alter und Bindung an ein Milieu, das sich aber auch in bekannten Bahnen entwickelt und Ecken und Kanten weitgehend vermissen lässt.
Cosmos
In einem vergessenen Dorf in Yucatán kreuzt die 68-jährige Lena, eine einsame Witwe, den Weg des 62-jährigen Mayas Leon, der die Geheimnisse der Natur und der Geister hütet. Lena findet in Leon einen unerwarteten Gefährten.
Fuori
Rom, 1980. Die Schriftstellerin Goliarda Sapienza, bekannt durch den epochalen Roman „Die Kunst der Freude“, landet wegen Schmuckdiebstahls im Gefängnis, doch die Begegnung mit einigen jungen weiblichen Insassinnen erweist sich für sie als eine Art Wiedergeburt.
I Swear
Filmkritik von Walter Gasperi
Kirk Jones erzählt die Lebensgeschichte des am Tourette-Syndrom leidenden Schotten John Davidson als tragikomisches Feelgood-Movie: Ein von seinem großartigen Hauptdarsteller Robert Aramayo getragenes Biopic, das Akzeptanz gegenüber Menschen mit dieser Nervenkrankheit fördern soll und kann.
L'Inconnu De La Grande Arche
Johan Otto von Spreckelsen? Als der französische Präsident François Mitterrand 1983 den Namen des Gewinners eines hochdotierten Architekturwettbewerbs bekannt gibt, ist das Erstaunen gross. Niemand kennt den 53-jährigen dänischen Architekten.
La Hija Condor
Filmkritik von Walter Gassperi
Eine junge Indigene soll im bolivianischen Hochland Nachfolgerin ihrer Ziehmutter als Hebamme werden, doch die Verlockungen der modernen Stadt sind groß: Álvaro Olmos Torrico erzählt ruhig und in großartigen Bildern eindringlich vom Aufeinanderprallen von Traditionen und Moderne – und dem langsamen Verschwinden und der Verdrängung des Alten.
Primavera - Vivaldi Und Ich
Filmkritik von Walter Gasperi
Dem italienischen Opernregisseur Damiano Michieletto gelang mit seinem Filmdebüt ein von Musik durchzogenes, bewegendes Drama über den Kampf um weibliche Selbstbestimmung im Venedig des frühen 18. Jahrhunderts: Ein gefällig erzählter und gut gespielter, aber auch etwas glatter Historienfilm, der Fakten und Fiktion mischt.
The Love That Remains
Magnús ist als Fischer oft wochenlang auf hoher See. Anna ist Künstlerin und hofft, bald in einer Galerie ausstellen zu können. Die beiden haben sich vor Kurzem getrennt. Er ist ausgezogen. Sie ist im abgelegenen Haus nahe der isländischen Küste geblieben, zusammen mit ihren gemeinsamen Kindern und dem Familienhund. Doch Anna und Magnús schaffen es nicht wirklich, ihre Leben zu entflechten. Wegen der Kinder – oder ist da vielleicht noch eine Form von Liebe zwischen ihnen, die nicht vergeht?