Father Mother Sister Brother
Filmkritik von Walter Gasperi
In seinem in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneten 14. Spielfilm erzählt die 73-jährige US-Indie-Ikone Jim Jarmusch drei voneinander unabhängige Geschichten über Familienbesuche: Ein von einem großartigen Ensemble und meisterhaften Dialogen getragenes und von sanftem Witz und Melancholie durchzogenes, lakonisches Triptychon über Entfremdung und die Unfähigkeit zu echter Kommunikation.
Hiver À Sokcho
Filmkritik von Walter Gasperi
Eine junge Koreanerin, die ihren französischen Vater nie kennengelernt hat, beginnt aufgrund der Begegnung mit einem französischen Touristen sich mit ihrer Identität auseinanderzusetzen: Ein leises und unaufdringliches, aber visuell bestechendes und berührendes Spielfilmdebüt von Koya Kamura.
L'Étranger
Filmkritik von Walter Gasperi
François Ozons Adaption von Albert Camus´ existentialistischem Roman ist von Zurückhaltung und Respekt gekennzeichnet, setzt aber mit der stärkeren Thematisierung von Kolonialismus und Rassismus auch eigene Akzente: Eine kühle Literaturverfilmung, die durch die bestechenden Schwarzweißbilder und den genau kontrollierten Erzählrhythmus große Intensität entwickelt.
No Other Choice
Filmkritik von Walter Gasperi
Stilistisch brillant, sehr unterhaltsam, aber auch ausfransend: Park Chan-wook lässt in seiner schwarzhumorigen Gesellschaftssatire einen Papierfacharbeiter im Kampf um einen Arbeitsplatz nicht gegen die Bosse rebellieren, sondern seine Konkurrenten eliminieren.
Prinzessin Mononoke (Re-Release 4k und IMAX)
Vor langer, langer Zeit töteten die Menschen den grossen Gott des Waldes. Er besass menschliche Gesichtszüge und den Körper eines wilden Tieres. Hörner wuchsen auf seinem Kopf, so dick wie Baumstämme.
Promis Le Ciel
Drei Frauen von der Elfenbeinküste teilen sich in Tunis eine Wohnung und unterstützen sich im Alltag. Als sie ein kleines Mädchen bei sich aufnehmen, das einen Schiffbruch im Mittelmeer überlebt hat, gerät ihr fragiles Gleichgewicht ins Wanken.
Nach Under the Fig Trees richtet Erige Sehiri in ihrem neuen Spielfilm das Licht auf die Lebenswege dreier Frauen, die zwischen zwei Welten stehen und eine bemerkenswerte Stärke zeigen.
Qui Vit Encore
«Prix de Soleure» der 61. Solothurner Filmtage 2026
Tief bewegend und von stiller Wucht – ein eindringlicher Film über Verlust inmitten der humanitären Katastrophe – und darüber, Identität in düsteren Zeiten zu bewahren.
Sentimental Value
Filmkritik von Walter Gasperi
Ein egozentrischer Regisseur, dem die Karriere immer wichtiger war als die Familie, und seine zwei gegensätzlichen Töchter: Joachim Trier erzählt in seinem in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichneten sechsten Spielfilm feinfühlig und vielschichtig ein klassisches Familiendrama um Kunst und Leben, um Entfremdung und Sehnsucht nach Versöhnung.
Silent Friend
Filmkritik von Walter Gasperi
Ein mächtiger, fast 200 Jahre alter Ginkgobaum dient der Ungarin Ildikó Enyedi als Bindeglied für drei Anfang des 20. Jahrhunderts, in den frühen 1970er Jahren und 2020 spielende Geschichten um wissenschaftliche Neugier, Offenheit und Achtsamkeit: Ein wunderbar leichthändiges, von feinem Humor durchzogenes, poetisches Meisterwerk.
Silent Rebellion - À Bras-Le-Corps
Filmkritik von Walter Gasperi
Eine junge Frau kämpft in der ländlichen Schweiz der 1940er Jahre um Selbstbestimmung: Marie-Elsa Sgualdo gelang mit ihrem Langfilmdebüt ein für sieben Schweizer Filmpreise nominiertes, konzentriertes Emanzipationsdrama, das von der großartigen Hauptdarstellerin Lila Gueneau getragen wird.
The President's Cake
Irak in den 1990er Jahren: Jedes Jahr wird in den Schulen ausgelost, wer einen Geburtstagskuchen zu Ehren des Präsidenten Saddam Hussein backen soll. Diesmal fällt die Aufgabe der neunjährigen Lamia zu. Sie lebt mit ihrer Grossmutter in den mesopotamischen Sümpfen und Geld haben sie kaum.
The Secret Agent
Filmkritik von Walter Gasperi
Kleber Mendonça Filho zeichnet in seinem in Cannes mehrfach preisgekrönten, packenden Politthriller ein atmosphärisch dichtes Bild des von Polizeiwillkür, Korruption, Angst und Verunsicherung geprägten Brasilien der Militärdiktatur der 1970er Jahre: Virtuos aufgebautes, inhaltlich vielschichtiges und visuell aufregendes Kino, das souverän die Spannung über 158 Minuten aufrecht hält.