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Heute zeigt das filmpodium ab 18:15 Uhr ein Porträt über Walter Ruttmann. Der 1887 in Frankfurt geborene Regisseur gilt neben Hans Richter und Viking Eggeling als einer der bedeutendsten Vertreter des abstrakten Experimentalfilms. In den frühen zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte sich diese avantgardistische Bewegung in der Weimarer Republik. Die dabei entstandenen Filme sollten nicht im klassischen Sinn Unterhaltung bieten und enthielten keinen Erzählstrang. Auch eine Interpretation des Gezeigten wollten die Regisseure nicht anstreben. Für sie zählte vor allem die persönliche künstlerische Ausdrucksform und die Weiterentwicklung des noch jungen Mediums Film. Ruttmann zeichnete dabei seine abstrakten Filme auf Glasplatten, die schliesslich auf dem Filmnegativ nachkoloriert wurden. Auch liess er, wie beispielsweise für seinen Film „Lichtspiel Opus I“, speziell Musik dafür komponieren. So sah sich Ruttmann denn auch als Künstler der zwischen Malerei und Musik stand. Das Medium Film sollte dabei die Malerei lediglich kinematografisch beflügeln, so dass sich die Malerei zeitlich abspielt, wie die Musik, und sich nicht auf einen Moment reduziert. Eine Matinee im Berliner Filmpalast markierte 1925 den Höhepunkt und gleichzeitig das Ende dieser avantgardistischen Filmbewegung. Ruttmann arbeitete zu jener Zeit schon mit anderen Animationsfilmern wie Lotte Reiniger oder Fritz Lang zusammen und wandte sich auch anderen Filmgattungen zu. Zwei Jahre später feierte er mit seinem poetischen Dokumentarfilm „Berlin, Die Sinfonie Der Grossstadt“ wohl seinen grössten Erfolg.
Christoph Sulser