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Ingeborg Bachmann – Jemand, Der Einmal Ich War

DE/AU 2026, D, 97', Regie: Regina Schilling, mit Sandra Hüller, Ingeborg Bachmann, Max Frisch
Ingeborg Bachmann – Jemand, Der Einmal Ich War

Filmkritik von Walter Gasperi

Regina Schilling zeichnet in einer sorgfältigen Mischung aus inszenierten Szenen mit Sandra Hüller und Archivmaterial vielstimmig und mit großem Erzählfluss das Leben der 1973 im Alter von nur 47 Jahren verstorbenen österreichischen Schriftstellerin nach.

Am 25. Juni wäre Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden. Neben neuen Biographien und Essays erschien zu diesem Anlass auch Regina Schillings Dokumentarfilm. Der Gedenktag sichert "Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war" zwar erhöhte Aufmerksamkeit, doch kein Schnellschuss ist dies, sondern ein kunstvoll gestalteter Film, der Bestand haben wird.

Das Rückgrat bilden inszenierte, im Rom des Jahres 1973 spielende Szenen, in denen der deutsche Schauspielstar Sandra Hüller in die Rolle Ingeborg Bachmanns schlüpft. In einer Wohnung, die der römischen Wohnung der Schriftstellerin nachgebildet ist, legt sich Hüller eine Perücke im Stil der Frisur Bachmanns an, sitzt später an der Schreibmaschine und tippt, raucht Zigaretten oder unternimmt Ausflüge in die etruskische Nekropole von Cerveteri oder an den Strand.

Schilling macht dabei den Prozess der filmischen Inszenierung sichtbar, wenn sie am Beginn selbst im Bild zu sehen ist und mit Hüller über die Wohnung und die Schriftstellerin spricht oder später die Schauspielerin einen Monolog Bachmanns in anderer Betonung wiederholen lässt. Jeder historisierende Ansatz wird aber auch dadurch gebrochen, dass Hüller anachronistisch ein Smartphone verwendet, um sich nach einer Panikattacke mit einer Entspannungsübung zu beruhigen, oder mit einem Scooter durch die Ewige Stadt fährt.

Ausgehend von dieser inszenierten Leitlinie des Films, in der Hüller / Bachmann stumm und ohne Bezug zu anderen Menschen bleibt, zeichnet die deutsche Dokumentarfilmerin mit viel Archivmaterial chronologisch das Leben Bachmanns nach. Immer wieder nach Rom und zu Hüller zurückkehrend, spannt sie in feinfühliger Montage von vielfältigem Archivmaterial wie Familienfotos, öffentlichen Auftritten, Interviews und Kommentaren von Literaturkritikern den Bogen von der Kindheit als Tochter eines nationalsozialistischen Kärntner Hauptschuldirektors über das Studium in Wien und den ersten literarischen Erfolg in der "Gruppe 47" bis zu den Liebesbeziehungen mit dem Lyriker und Holocaust-Überlebenden Paul Celan, dem Komponisten Hans Werner Henze und dem Schweizer Autor Max Frisch sowie den zahlreichen Auszeichnungen wie dem Hörspielpreis der Kriegsblinden (1959), dem Georg-Büchner-Preis (1964), dem Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur (1968) und dem Anton-Wildgans-Preis (1971).
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Kritiken 

National International
  - Joachim Kurz für kino-zeit.de
  - Marc Reichwein für welt.de
  - Sandra Kegel für faz.net
   
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