La Hija Condor
Hoch oben in den majestätischen Anden wächst Clara in einer indigenen Gemeinschaft auf und begleitet ihre Ziehmutter zu Hausgeburten. Mit ihrer schönen Stimme und rituellen Gesängen hilft sie, neues Leben auf die Welt zu bringen. Während sie tief in den Ritualen verwurzelt ist, spürt sie zugleich die Sehnsucht nach einem Leben in der Stadt. Als Ärzt:innen das alte Wissen zunehmend in Frage stellen und für Geburten in neuen Kliniken werben, gerät Clara in einen Zwiespalt. In überwältigenden Tableaus erzählt Olmos Torrico von Tradition, Identität und dem Mut, der eigenen Stimme zu folgen.
Clara ist eine junge Quechua, die im Cochabamba-Tal umgeben von Bergen lebt. Als Tochter und Nachfolgerin von Ana, der letzten Hebamme in der Region, wartet in ihrer Gemeinschaft eine wichtige Aufgabe auf sie. Es sind heilig anmutende Momente, wenn Ana eine Hochschwangere sanft im Andentuch wiegt und Claras Gesänge einsetzen, um das Baby auf seinem Weg ins Leben zu begleiten. In der indigenen Kultur geniesst die Geburtshelferin hohes Ansehen.
Gemeinsam ziehen die beiden zu Fuss von Weiler zu Weiler, während über ihnen der Kondor seine Kreise zieht. In der andinen Kosmovision gilt er als Vermittler zwischen der irdischen Welt und den Göttern. Doch so hingebungsvoll Clara diese Übergänge begleitet, wächst in ihr zugleich die Sehnsucht nach einem Leben jenseits der Gemeinschaft. Die Sitten im Dorf sind streng, und auch Ana zeigt wenig Verständnis für Claras Lebenshunger – nicht zuletzt, weil sie ihre eigene Existenz bedroht sieht. Ärzt:innen aus der Stadt warnen vor den Risiken der Hausgeburten, Kliniken sollen künftig eine «würdige» medizinische Versorgung gewähr- leisten. Über ein Radio dringen neue Klänge zu Clara und über sie der verlockende Gedanke an eine Karriere als Sängerin in der Stadt. Im Einklang mit der Erhabenheit der Anden entfaltet Olmos Torrico eindrucksvolle Bilder der weiten Landschaft und kontrastiert sie mit Innenaufnahmen im Chiaroscuro, die wie aus einer vergangenen Zeit wirken. Dabei verfällt er nicht in Nostalgie, sondern zeigt eine Welt im Umbruch – und die Frage, wie sich Tradition und Moderne miteinander verbinden lassen.
(Pressetext: Trigon Film)
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