Der Mann Auf Dem Kirchturm
Filmkritik von Walter Gasperi
Edwin Beeler spürt nicht nur dem Leben seines Großvaters nach, sondern zeichnet beiläufig auch das Bild eines verschwundenen Schweizer Dorflebens, patriarchaler Strukturen und eines familiären Traumas: Ein sehr behutsamer und berührender Dokumentarfilm, der gerade in der Fokussierung auf einer privaten Geschichte Universalität gewinnt.
Zunächst einmal ist "Der Mann auf dem Kirchturm" eine große Liebeserklärung des Filmemachers Edwin Beeler an seinen Großvater. In einer Mischung aus alten Schwarzweißfotos, inszenierten Szenen mit einem Jungen (David Meile) beim Spiel oder beim Stöbern im Dachboden als Beelers Alter Ego sowie einem ruhigen Off-Kommentar, der vom Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart gesprochen wird, vermittelt der 67-jährige Luzerner, wie er in seiner Kindheit bei seinem Großvater Ruhe und Geborgenheit fand und wie dieser im ganzen Dorf geschätzte Kaminkehrer für ihn ein Vorbild war, dem er nacheifern wollte.
Ausgehend von dieser Kindheitserinnerung spürt Beeler, der nicht nur für Regie und Drehbuch, sondern auch für Kamera und Schnitt verantwortlich zeichnet, mit Fotos, Archivmaterial, Interviews mit seiner 88-jährigen Mutter ebenso wie mit weiteren Verwandten und Zeitzeugen aus dem Dorf dem Leben seines Großvaters nach. Dicht zeichnet er das Bild einer vergangenen Zeit, in der einerseits die Wohnverhältnisse ärmlich waren und man nicht nur Kaninchen, sondern auch Katzen, Hunde und Füchse aß, es andererseits aber auch ein reges gesellschaftliches Leben im Dorf mit Gasthäusern, Nikolausumzügen, kirchlichen Festen und Faschingsfeiern gab.
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