Das Geträumte Abenteuer
Veska ist im bulgarischen Svilengrad aufgewachsen. Jahre später kehrt sie als Archäologin zurück, um die Ausgrabungen einer mittelalterlichen Burg nahe der türkischen und griechischen Grenze zu leiten. Als ein früherer Arbeitskollege in der Gegend auftaucht und schnelles Geld machen will, wird sie in die Schattenwelt der Grenzregion gezogen. Nach Western erkundet Valeska Grisebach erneut das Leben an den Rändern Europas. Schicht für Schicht legt sie Vergangenes frei und zeichnet ein packendes Porträt der Balkanregion zwischen gestern und heute. Preis der Jury am Filmfestival Cannes.
Grenzregionen haben ihre eigene Aura und Anziehungskraft. Im Machtvakuum nach dem Sozialismus blühte in Svilengrad der Schmuggel auf und brachte Leute wie den sympathischen Said in den 90er Jahren zum Träumen. Als er sich heute mit seiner Klapperkiste erneut der Grenze nähert, um alte Kontakte aufzufrischen, reihen sich auf der neuen Autobahn kilometerlang Camions, die Waren legal von West nach Ost befördern. Illegal hat sich der Handel über die Grenze diversifiziert.
Veska ist in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, um im grenznahen Matochina eine Ausgrabung zu betreuen. Sie kennt Said von früher und lädt ihn spontan zur Ausgrabungsstätte ein, als sie sich unerwartet über den Weg laufen. Dem Tag folgt ein geselliger Abend mit alten Bekannten, doch am nächsten Morgen ist Said spurlos verschwunden. Veskas Spürsinn ist geweckt. Sie beobachtet, nimmt wahr, fragt nach, kombiniert und mischt sich ein – sogar in Saids halblegale Geschäfte. Ihre eigene Vergangenheit lebt in Begegnungen und fröhlichen Tischrunden auf, die man am liebsten gar nicht mehr verlassen möchte. Zu gern lauscht man den schlagfertigen Frauen, die viel erlebt haben und sich nicht unterkriegen lassen. Jede Dialogzeile sitzt in diesem Film und Valeska Grisebach gelingt nach Western erneut das Kunststück, mit Laiendarsteller:innen eine Welt zu erschaffen, die sich ebenso real wie fiktiv anfühlt. Wie sie dort die männlichen Konventionen des Western-Genres dekonstruiert, macht sie sich hier spielerisch das Abenteuer- und Gangstermilieu zu eigen, um mit zurückhaltender Ironie den Lauf der Zeit und den sanften Wandel der Geschlechter zu zeigen.
(Pressetext: Trigon Film)
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