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Rietland

NL/BE 2025, OV/df, 111', Regie: Sven Bresser, mit Gerrit Knobbe, Loïs Reinders, Lola van Zoggel
Rietland

Filmkritik von Walter Gasperi

Ein alter Bauer entdeckt in seinem im Norden der Niederlande gelegenen Schilffeld die Leiche einer jungen Frau. Die Ermittlungen der Polizei spielen in Sven Bressers fesselndem Mix aus Thriller und psychologischem Drama aber kaum eine Rolle, vielmehr baut der Niederländer durch brillante Bildsprache und Sounddesign durchgängig eine latente, aber nie wirklich greifbare Stimmung der Bedrohung und Verunsicherung auf.

In einer Totale erfasst die Kamera von Sam du Pon in dem auf körnigem 16mm-Film gedrehten Spielfilmdebüt von Sven Bresser ein gelbbräunliches Schilffeld vor grauem Himmel. Von der Totalen springt die Kamera in eine Nahaufnahme des Schilfs, das sich mit Rauschen im Wind biegt. Mehrfach kehrt Bresser bei unterschiedlichem Wetter und Tageszeiten zu diesem Bild zurück und evoziert dabei auch durch das Sounddesign das Gefühl von etwas Bedrohlichem hinter der sichtbaren Oberfläche. Gerade dadurch, dass diese Bedrohung aber nie wirklich konkretisiert wird, entwickelt "Rietland" seine Intensität und eine Verunsicherung.

In dieser sumpfigen Gegend schneidet der alte Bauer Johan (Gerrit Knobbe) Schilf, das dann für den Bau traditioneller Reetdächer verkauft wird. Genau schildert Bresser, der selbst in dieser Gegend aufgewachsen ist, mit quasidokumentarischem Blick diese traditionelle Arbeit, die vom Aussterben bedroht ist, gibt es doch in billigerem Schilf aus China starke Konkurrenz. Die Landschaft ist hier nicht Kulisse, sondern aus ihr heraus wird die Handlung entwickelt.  

Wenn auf das Schneiden des Schilfs das Verbrennen der Abfälle folgt, verschwindet nicht nur die Sonne im Rauch, sondern auch Johan scheint sich im Qualm fast aufzulösen. Lange fällt hier kein Wort und auch Musik wird nur sehr reduziert eingesetzt, umso stärker wirken dafür Natur- und Alltagsgeräusche.

Eine zusätzliche Aufgabe bekommt der verwitwete Mann, als seine Tochter ihre etwa achtjährige Tochter Dana auf den Hof zur Betreuung bringt. Offen bleibt, wieso das Mädchen ihm übergeben wird, ob die Mutter alleinerziehend ist und was mit dem Vater des Kindes ist.

Dazu kommt, dass Johan bald im Schilffeld die Leiche einer jungen Frau findet. Die Polizei sichert zwar den Tatort und befragt Johan zum Fund der Leiche, doch die Ermittlungen bleiben weitgehend im Hintergrund.
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