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Jeunes Mères

BE 2025, F/d, 106', Regie: Jean-Pierre & Luc Dardenne, mit Babette Verbeek, Elsa Houben, Janaina Halloy Fokan
Jeunes Mères

Filmkritik von Walter Gasperi

Jean-Pierre und Luc Dardenne folgen fünf Teenagern, die mit ihren Babys in einem Heim für minderjährige Mütter leben, durch ihren Alltag: Quasidokumentarisches, schnörkelloses sozialrealistisches Kino, das ungeschönt und nüchtern, aber empathisch Einblick in schwierige Lebensverhältnisse bietet.

Ansatzlos setzt "Jeunes mères" mit einer Großaufnahme der jungen Jessica (Babette Verbeek) an einer Bushaltestelle ein. Während sie telefoniert, sucht sie offensichtlich eine Frau. In einer langen Einstellung folgt ihr die Kamera. Erst wenn sich der Blick etwas weitet, wird klar, dass der Teenager hochschwanger ist und langsam erfährt man auch, dass sie ihre Mutter sucht.

Von der ersten Einstellung an ist man mitten drin im neuen Film von Jean-Pierre und Luc Dardenne, der 2025 in Cannes mit dem Drehbuchpreis und dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet wurde. Obwohl die belgischen Brüder mit "Rosetta" (1999) und "L´enfant" (2005) schon zwei Goldene Palmen von Cannes gewonnen haben und zu den großen Meistern des sozialrealistischen Kinos gehören, ist es für sie offensichtlich immer noch schwierig ihre Filme zu finanzieren: Rund 15 Koproduzenten listen die Logos und die einleitenden Inserts auf.

Doch die Dardennes lassen sich davon nicht beeinflussen. Kompromisslos arbeiten sie weiter an ihrem ungeschminkt realistischen und ehrlichen Kino. Schon in "Rosetta" stand ein Teenager in prekären Lebensverhältnissen im Zentrum, in "L´enfant" verkauft ein jugendlicher Vater sein Baby an Kinderhändler und zu Tränen rühren konnte das Schicksal eines sozial vernachlässigten Jungen in "Le gamin au velo" (2011) oder zweier minderjähriger Flüchtlinge in "Tori et Lokita" (20232.

Der Fokussierung auf einzelnen Protagonist:innen in ihren bisherigen Filmen steht in "Jeunes mères" ein Ensemble von fünf Teenager-Müttern gegenüber. Fließend wechseln die Dardennes zwischen den in einem Heim für minderjährige Mütter wohnenden jungen Frauen und bieten bewegenden Einblick in ihre schwierigen Lebenssituationen.

Ungeschminkt dokumentarisch ist der Blick. Auf Filmmusik wird verzichtet und auch On-Screen Musik findet sich nur an wenigen Stellen in Form von Baby-Musikspieldosen. Erst ganz am Ende wird am Klavier ein heiteres Stück gespielt, das nach 105 dichten Minuten die Zuschauer:innen befreit aus dem Kino entlässt.

Aber auch auf schnelle Schnitte, die die Wahrnehmung und die Emotionen lenken und schüren, wird verzichtet. Vielmehr lassen die Dardennes in langen Einstellungen ihren fünf großartigen Hauptdarstellerinnen, die in einem langwierigen Casting aus 300 Bewerberinnen ausgewählt wurden, viel Raum. Auch Dialogszenen werden nicht im Schuss-Gegenschussverfahren aufgelöst, sondern in einer langen ruhigen halbnahen Einstellung gefilmt.
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