Salvation
Filmkritik von Walter Gasperi
Konzentriert und mit unerbittlicher Konsequenz erzählt Emin Alper, wie sich der Hass eines türkischen Clans gegen einen benachbarten Clan sukzessive steigert, Ressentiments geschürt werden und ein Anführer die Bewohner:innen zunehmend manipuliert und lenkt: Eine packende Parabel über die Mechanismen von Fanatismus und dessen erschütternde Folgen.
Mit "Burning Days – Kurak Günler" (2022) legte Emin Alper zuletzt einen fesselnden Thriller um provinzielle Machtstrukturen, Machismo und Populismus vor. Auch in seinem neuen Spielfilm "Salvation – Kurtulus", der bei der heurigen Berlinale mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde, entführt der 1974 geborene Regisseur in den abgeschiedenen Südosten Anatoliens.
Inmitten dieser weiten Halbwüste steht einem Dorf auf einem Hügel eine Siedlung in der Ebene gegenüber. Oben und unten korrespondieren dabei auch mit den Machtverhältnissen. Denn während einst der in der Ebene lebende Clan der Bezari über die auf dem Hügel lebenden Hazeran herrschte, kehrten sich die Positionen um, als die Hazeran den Staat im Kampf gegen Terroristen unterstützten, die Bezari aber flohen.
Weil nun aber die Terroristen nahezu besiegt sind, kehren die Bezari wieder zurück und wollen die Felder, die inzwischen die Hazeran bewirtschaften, wieder übernehmen. Der geistliche Anführer der Hazeran ruft zwar zu Zurückhaltung auf und setzt sich für ein friedliches Zusammenleben ein, doch verliert er zunehmend die Unterstützung der bäuerlichen Bevölkerung, die sich hinter seinen Bruder Mesut stellt.
Nicht nur in diesen Brüdern spiegelt sich die explizit angesprochene biblische Geschichte von Kain und Abel. Wie nämlich dem gelehrten und auf Verständigung setzenden Ferit, der unversöhnliche Mesut gegenübersteht, der gerade von einer letzten Jagd auf die Terroristen zurückkehrt, so steht auch der Clan der Hazeran dem der Bezari gegenüber.
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