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Silent Friend

DE, HU, FR, CN, 2025, D/E/df, 148', Regie: Ildikó Enyedii, mit Tony Leung Chiu-Wai, Luna Wedler, Léa Seydoux
Silent Friend

Filmkritik von Walter Gasperi

Ein mächtiger, fast 200 Jahre alter Ginkgobaum dient der Ungarin Ildikó Enyedi als Bindeglied für drei Anfang des 20. Jahrhunderts, in den frühen 1970er Jahren und 2020 spielende Geschichten um wissenschaftliche Neugier, Offenheit und Achtsamkeit: Ein wunderbar leichthändiges, von feinem Humor durchzogenes, poetisches Meisterwerk.

Mächtig steht der fast 30 Meter hohe Ginkgobaum im Botanischen Garten der mittelalterlichen deutschen Universitätsstadt Marburg. Ein kleines Schild weist darauf hin, dass er 1832 gepflanzt wurde. Hierher kehrt der Neurowissenschaftler Tony (Tony Leung Chiu-Wai), der in Hongkong über das menschliche Gehirn geforscht hat, während seiner Gastprofessur in Marburg aber aufgrund der im Jahr 2020 ausbrechenden Corona-Epidemie bald ohne Student:innen im Uni-Campus festsitzt, immer wieder zurück.

Aber am Fuß des Baumes lernen sich 1972 auch die Biologiestudentin Gundula (Marlene Burow) und der Germanistikstudent Hannes (Enzo Brumm) kennen und im Jahr 1908 flüchtet die junge Grete (Luna Wedler), die als eine der ersten Frauen als Biologiestudentin an der Uni aufgenommen wird, vor der frauenfeindlichen patriarchalen Uni-Hierarchie immer wieder in den Garten und zu diesem Baum.

Schmal ist das Werk der Ungarin Ildikó Enyedi. Begeistert wurde zwar im Jahr 1989 ihr Spielfilmdebüt "Mein Zwanzigstes Jahrhundert" aufgenommen, doch danach wurde es auch schon wieder für fast 30 Jahre still um die 1955 geborene Filmemacherin. Wenig Beachtung fanden ihre drei weiteren in den 1990er Jahren entstandenen Kinofilme. Danach drehte sie nur noch drei Kurzfilme und zwei Fernsehserien, ehe ihr 2017 mit dem unter anderem bei der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichneten "On Body and Soul" ("Körper und Seele") ein gefeiertes Comeback gelang.

Das folgende Historiendrama "Die Geschichte einer Frau" (2021) wurde zwar in den Wettbewerb von Cannes eingeladen, fand aber wenig Beachtung, doch mit "Silent Friend" gelang ihr nun ein Werk, das man schon jetzt zu den großen Filmen des Jahres zählen darf.

Feinfühlig verbindet Enyedi über den Ginkgobaum nicht nur die drei zu unterschiedlichen Zeiten spielenden Geschichten, sondern erzählt sie auch in unterschiedlichen filmischen Formaten. Indem Kameramann Gergely Pálos die 1908 spielende Geschichte auf schwarzweißem 35-mm Material, die 1972 spielenden Szenen auf grobkörnigem farbigem 16mm-Film drehte und für 2020 gestochen scharfen digitalen Film verwendete, erzählt "Silent Friend" auch über die Entwicklung der filmischen Technik.
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