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Romería

ES 2025, OV/df, 114', Regie: Carla Simón, mit Llúcia Garcia, Mitch, Tristán Ulloa, Alberto Gracia
Romería

Filmkritik von Walter Gasperi

Im abschließenden Film von Carla Simóns autobiographisch inspirierter Trilogie spürt eine angehende Filmstudentin in Vigo dem Leben ihres früh verstorbenen und ihr unbekannten Vaters nach: Unaufgeregt, aber in ausgereifter Form inszeniert und getragen von einem starken Ensemble lotet die Katalanin Familienverhältnisse aus.

In ihrem Langfilmdebüt "Summer 1993" ("Fridas Sommer", 2017) erzählte Carla Simón von einer Sechsjährigen, die nach dem Tod ihrer Mutter von Barcelona aufs Land zieht und sich in der Familie ihres Onkels einfinden muss. Im daran anschließenden bei der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichneten "Alcarras – Die letzte Ernte" (2022) blickte die 40-jährige Katalanin auf einer Großfamilie im ländlichen Katalonien, deren Pfirsichplantage Solarpaneelen weichen soll.

Wie diese beiden Filme, ist auch "Romería", mit dem die Enkelin eines Pfirsichbauern ihre Trilogie über Familienverhältnisse abschließt, von persönlichen Erfahrungen inspiriert. Die kleine Protagonistin aus "Summer 1993" ist in dem 2004 spielenden Film nun etwa 18 Jahre alt, heißt nun Marina (Llúcia Garcia) und möchte demnächst ein Filmstudium beginnen. Um ein Stipendium zu erhalten, benötigt sie aber ein Dokument, das bestätigt, dass ihr Vater, den sie selbst nie kennengelernt hat, verstorben ist.

So reist die junge Frau, die nach dem frühen Tod ihrer Eltern in Barcelona bei der Familie ihrer Mutter aufwuchs, in das an der galicischen Atlantikküste gelegene Vigo. Dort muss sie aber feststellen, dass sie in der Sterbeurkunde des Vaters nicht als Tochter eingetragen ist. So sucht sie Onkel und Tanten väterlicherseits auf, die sie mit offenen Armen empfangen, während die herrischen Großeltern zurückhaltend bleiben und lieber nicht, über die Vergangenheit sprechen möchten.

Mit den Augen Marinas blickt man auf die unterschiedlichen Verwandten, die auch abweichende Versionen über die Lebensgeschichte des an Aids gestorbenen, drogensüchtigen Vaters erzählen. Nicht nur über den Wohnort werden ihr unterschiedliche Geschichten erzählt, selbst über das Todesjahr scheint sie falsch informiert worden zu sein. Der Verschlossenheit der Großeltern steht dabei die Offenheit der Cousins gegenüber, im speziellen von Nuno (Mitch Robles).

Statt stringent eine Handlung zu entwickeln, zeichnet Simón so, getragen von einem großartigen Ensemble, ein dichtes und komplexes Bild einer Familie, in der lieber geschwiegen als geredet und die unliebsame Vergangenheit verdrängt und verdreht statt aufgearbeitet wird. Ebenso unauffällig wie brillant dringt die bewegliche Kamera von Hélène Louvart in die Familie ein und deckt unterschiedliche Charaktere und Verhaltensweisen auf.
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