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Nouvelle Vague

FR 2025, F/d, 107', Regie: Richard Linklater, mit Guillaume Marbeck, Zoey Deutch, Aubry Dullin
Nouvelle Vague

Filmkritik von Walter Gasperi

Richard Linklater zeichnet nicht nur leichthändig die Entstehung von Jean-Luc Godards Klassiker "Außer Atem" nach, sondern bettet diese auch in das meisterhaft beschworene cinephile Umfeld der damaligen Erneuerer des Weltkinos ein: Eine große Hommage, die liebevoll und leidenschaftlich das Kino und jugendlichen Aufbruchsstimmung feiert.

Der Amerikaner Richard Linklater lässt sich in kein Schema pressen. Wie beispielsweise auch François Ozon versucht er sich mit beinahe jedem Film neu zu erfinden. Die großartige, in einem Zeitraum von über zehn Jahren entstandene Coming-of-Age-Geschichte "Boyhood" (2014) steht so neben der fast in Echtzeit ablaufenden "Before"-Trilogie (1995 / 2004 / 2013). Ein gesellschaftskritischer Blick auf die Lebensmittelindustrie findet sich mit "Fast Food Nation" (2006) ebenso in seinem Werk wie die sehr unterhaltsame Schulkomödie "School of Rock" (2003) oder zuletzt die brillante Killerkomödie "Hit Man" ("A Killer Romance", 2023). Aber auch Experimente mit dem Animationsfilm fehlen mit "A Scanner Darkly" (2006) und "Apollo 10 ½: A Space Age Childhood" ("Apollo 10 ½: Eine Kindheit im Weltraumzeitalter", 2022) nicht.

An der Theater- und Filmgeschichte arbeitete sich der 65-jährige Texaner schon mit "Me and Orson Welles" (2008) ab, in dem er auf die Anfänge von Orson Welles als Theaterregisseur blickte. Nun taucht er schon mit dem im Stil der Zeit um 1960 gehaltenem Vorspann, der sich auf einfache weiße Credits auf schwarzem Grund beschränkt, in die Vergangenheit ein. Meisterhaft beschwört er mit Schwarzweiß, engem 4:3 Format und detailreicher Ausstattung durchgängig die Stimmung dieser Zeit. Nicht wie ein Film über die späten 1950er Jahre, sondern wie ein Film aus dieser Zeit wirkt so "Nouvelle Vague", gleichwohl nie verstaubt oder altbacken.

Spürbar wird nämlich von Beginn an die damalige Aufbruchsstimmung, wenn François Truffaut, Claude Chabrol, Suzanne Schiffman und Jean-Luc Godard in einem Kino im Gegensatz zu den anderen Besucher:innen ablehnend auf den präsentierten französischen Film alter Schule reagieren.

Wie hier die Protagonist:innen mit Inserts vorgestellt werden, so ermöglichen auch in der Folge Inserts zumindest teilweise die Zuordnung der schier zahllosen weiteren Personen aus dem Milieu, die teilweise – wie beispielsweise Juliette Greco – nur in einer Szene zu sehen sind. Trotz dieser Fülle an Verweisen auf die zeitgenössische Filmszene wird "Nouvelle Vague" nie zu schwerer Kost für Insider, sondern bleibt immer eine leichthändige und verspielte Komödie. Zu verdanken ist das nicht zuletzt auch der Besetzung mit noch unbekannten Schauspieler:innen, die einerseits den realen Personen täuschend ähnlich sehen, andererseits perfekt deren jugendliche Unbekümmertheit und Frische vermitteln.
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Kritiken 

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