L'Inconnu De La Grande Arche
Filmkritik von Walter Gasperi
Stéphane Demoustier zeichnet die Auseinandersetzungen des dänischen Architekten Johan Otto von Spreckelsen bei der Umsetzung von Francois Mitterands Prestigeprojekt "La Grande Arche" nach: Eine von trockenem Witz durchzogene, stark gespielte Tragikomödie über künstlerische Visionen und realpolitische Behinderungen durch die Auftraggeber.
Die Überraschung ist groß als Präsident François Mitterrand (Michel Fau) im Mai 1983 Johan Otto von Spreckelsen als Sieger des Architekturwettbewerbs um die Gestaltung des Prestigeprojekts Grande Arche im modernen Pariser Geschäftsviertel La Defense bekannt gibt: .
Nicht nur niemand der Anwesenden kennt den 1929 geborenen dänischen Architekten, sondern auch die dänische Botschaft kann nicht weiterhelfen. Spärlich sind auch die Informationen, die sich zum Gewinner auftreiben lassen, doch schließlich findet ihn Mitterands Assistent Jean-Louis Subilon (Xavier Dolan) beim Fischen mit seiner – fiktiven - Frau Liv (Sidse Babett Knudsen).
Nur sein eigenes Haus und vier Kirchen hat der 53-Jährige bisher entworfen. Zu seinem Lebenswerk soll nun "La Grande Arche" werden. Mit ganzem Einsatz steigert er sich in dieses Projekt hinein, doch während er im französischen Präsidenten einen Unterstützer findet, stößt er an anderen Stellen – ähnlich wie der Architekt in Brady Corbets "The Brutalist" - immer wieder auf Widerstände.
Hartnäckig setzt sich Spreckelsen für die Umsetzung seines ursprünglichen Plans ein und kämpft für jedes Detail. Doch bald stellt sich Subilon gegen die Verwendung von Verbundglas, dessen Einsatz in Frankreich verboten ist, ebenso wie gegen den sehr teuren Marmor aus Carrara und fordert zudem, dass die Aufträge öffentlich ausgeschrieben werden.
Der französische Architekt Paul Andreu, der sich mit dem Bau von Flughäfen einen Namen machte, will wiederum zunächst gleichberechtigt neben Spreckelsen stehen, bis er sich mit der Aufgabe als Bauleiter zufriedengibt und eine von Konflikten durchzogene Zusammenarbeit beginnt. Aber auch von politischer Seite kann das Projekt leicht in Gefahr kommen, wenn Mitterand abgewählt wird und der neue Finanzminister einen Sparkurs und Privatisierung des Projekts anstrebt.
Stringent und ganz aus der Perspektive des von Claes Bang zurückhaltend, aber intensiv gespielten Protagonisten entwickelt Stéphane Demoustier nach Laurence Cossés Doku-Roman "La Grande Arche" die Handlung. In eleganten, vom Grau des Betons, dem Schwarz der Anzüge und dem Weiß des italienischen Marmors bestimmten Bildern erzählt der 1977 geborene Franzose prägnant nicht nur von persönlichen Visionen und bürokratischen Widerständen, sondern auch von der Kraft, die dieser Kampf um ein Projekt kostet, und spannt mühelos den Bogen von 1983 bis 1987.
Trotz des beträchtlichen zeitlichen Rahmens zeichnet Demoustier bruchlos die Entwicklung vom Modell über die Baugrube bis zum langsamen Wachsen des gewaltigen Bogens nach. Doch die Veränderungen, die Spreckelsen dabei gegenüber seinen eigenen Vorstellungen immer wieder abverlangt werden, zermürben den Architekten.
Eindringlich wird in der Fokussierung auf den heute wieder weitgehend vergessenen Architekten, dem der Film ein Denkmal setzt, aber auch vermittelt, wie sich der Däne einerseits in sein Projekt immer mehr verbeißt und keine Kompromissbereitschaft kennt, andererseits mit seinem bedingungslosen Engagement aber auch seine Ehe und das Leben jenseits des Projekts zunehmend aus den Augen verliert.
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