Kokuho - The Master Of Kabuki
Filmkritik von Walter Gasperi
Sang-il Lee entführt in die faszinierende Welt des Kabuki-Theaters und erzählt von Freundschaft und Karriere, japanischen Traditionen und dem Preis des Ruhms: Ein bildmächtiges, mitreißendes Epos, das den Bogen über 50 Jahre spannt und mühelos fast drei Stunden fesselt.
Zumindest im Westen ist der 1974 geborene, koreanischstämmige Japaner Sang-il Lee wenig bekannt, auch wenn er 2013 mit dem Jidai-geki "The Unforgiven" ein japanisches Remake von Clint Eastwoods mit vier Oscars ausgezeichnetem Western "Erbarmungslos" (1992) drehte. Für "Kokuho – The Master of Kabuki" adaptierte Lee nun Shūichi Yoshidas 2018 erschienenen gleichnamigen Roman und schuf damit den – abgesehen von Animés – mit einem Einspielergebnis von 17,4 Milliarden Yen (ca. 95 Millionen Euro) in Japan erfolgreichsten einheimischen Film aller Zeiten. Zudem wurde "Kokuho" von Japan für den Oscar für den besten internationalen Film eingereicht und schaffte dort den Sprung auf die Shortlist.
In einem epischen Bogen spannt Lee, durch Zeitinserts strukturiert, den Bogen von 1964 bis 2014. In Nagasaiki ist der berühmte Kabuki-Schauspieler Hanjiro Hanai (Ken Watanabe) bei einem Besuch eines Yakuza-Bosses begeistert von der Schauspielkunst einer vermeintlich jungen Frau, erfährt aber, dass es sich in Wahrheit um Kikuo (Ryō Yoshizawa), den 14-jährigen Sohn des Hausherrn, handelt. Aus Angst vor einem moralischen Verfall wurde Frauen nämlich im 17. Jahrhundert verboten in Kabuki-Theatern aufzutreten. Obwohl dieses Verbot in der Meiji-Zeit (1868- 1912) aufgehoben wurde, wurden weiterhin in traditionellen Kabuki-Theatern Frauenrollen mit Männern, sogenannten Onnagata, besetzt.
Als Kikuos Vater bei einer Auseinandersetzung von Yakuza-Clans getötet wird, nimmt Hanai den Teenager als Schüler neben seinem Sohn Shunsuke auf. So entwickelt sich nicht nur eine Freundschaft zwischen den beiden jungen Männern, sondern auch Rivalität, denn Kikuo erweist sich als der begabtere Schauspieler. Er ordnet alles seiner Karriere unter, doch Tradition ist es, dass der alte Meister seinen leiblichen Sohn zu seinem Nachfolger erklärt und auch die Herkunft aus Yakuza-Kreisen macht Kikuo zu einem Außenseiter.
Mit großem Atem erzählt Lee, spart gesellschaftliche und politische Entwicklungen, abgesehen vom Hinweis auf den Atombombenabwurf auf Nagasaki, aus und fokussiert ganz auf der Geschichte der drei Kabuki-Schauspieler und dem Theater. In langen Szenen bietet er Einblick in die faszinierende Welt dieser von der UNESCO 2005 in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommenen Kunstform, in der mit hochartifizieller Inszenierung und Schauspiel mit Gesang, Pantomime und Tanz - zumindest im Film - tragische Liebesgeschichten erzählt werden.
Weiter zur ganzen Filmkritik auf film-netz.com
Kinos
| Zürich | Bern | Basel | Luzern | St. Gallen | |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Kritiken
| Verleiher |
| Trigon Film |