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Cinque Secondi

IT 2025, OV/df, 106', Regie: Paolo Virzì, mit Valerio Mastandrea, Galatéa Bellugi, Valeria Bruni
Cinque Secondi

Filmkritik von Walter Gasperi

Ein wortkarger Eigenbrötler wird in seinem verfallenden Rückzugsort in der Toskana von einer Gruppe junger Erwachsener gestört, die den vernachlässigten Weinberg wieder kultivieren wollen: Mit starken Schauspieler:innen, aber wenig fokussierter Dramaturgie erzählt Paolo Virzi gefühlvoll von Schuldgefühlen, Einsamkeit und einem Neubeginn.

2010 feierte Paolo Virzi mit "Das ganze Leben liegt vor dir" ("Tutta la vita davanti", 2008) auch in den österreichischen und deutschen Programmkinos einen Erfolg. 2017 schien er mit dem englischsprachigen Alzheimer-Drama "Das Leuchten der Erinnerung" (The Leisure Seeker", 2017) nicht zuletzt dank der Hauptdarsteller:innen Donald Sutherland und Helen Mirren den großen internationalen Durchbruch zu schaffen, doch dann wurde es zumindest in den deutschsprachigen Ländern um den 1964 geborenen Italiener wieder still.

Mit einem langen Schwenk über ein verfallendes toskanisches Anwesen eröffnet er nun "Cinque Secondi". Leichter Schneefall evoziert eine winterlich-frostige Atmosphäre und auch in den Stallungen, in denen sich Adriano eingerichtet hat, kommt angesichts des Chaos in der Küche, des durch die Decke tropfenden Regens und der verwitterten Erscheinung des alternden Mannes kein Wohlgefühl auf.

Wenn freilich zum Ärger des wortkargen Einzelgängers auf den Feldern eine Gruppe von jungen Erwachsenen auftaucht, die unter der Leitung der Enkelin des ehemaligen Besitzers den vernachlässigten Weinberg wieder kultivieren will, ist vorhersehbar, dass sich Adriano unter diesem Einfluss langsam wandeln wird.

Klischeehaft werden zwar nicht nur der einsame Alte und die feiernden Jungen einander gegenübergestellt und das langsame Aufblühen der Natur mit einem Auftauen Adrianos verknüpft, doch das starke Spiel von Valerio Mastandrea, der hinter der Verschlossenheit seiner Figur tiefen Schmerz und eine traumatische Erfahrung spüren lässt, und von Galatéa Bellugi, die als schwangere, junge Mathilde mit ihrer Offenheit und Tatkraft ein starkes Gegengewicht bildet, lassen über diese Schwäche ebenso hinwegsehen wie Virzis warmherzige und von sanftem Humor durchzogene Inszenierung.
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