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À Voix Basse

FR/TN 2026, OV/df, 114', Regie: Leyla Bouzid, mit Eya Bouteraa, Hiam Abbass, Marion Barbeau
À Voix Basse

Filmkritk von Walter Gasperi

Als eine in Frankreich lebende junge Tunesierin zum Begräbnis ihres Onkels in ihre Heimat zurückkehrt, werden nicht nur langsam Familiengeheimnisse gelüftet, sondern auch gesellschaftliche Repression sichtbar: Ein von einem starken Ensemble getragenes feinfühliges Drama, das sanft, aber entschieden für Toleranz und Offenheit plädiert.

Mit dem Landeanflug auf Tunis versetzt Leyla Bouzid die Zuschauer:innen in die Perspektive der 32-jährigen Ingenieurin Lilia (Eya Bouteraa). Mit ihren Augen blickt man bei der Fahrt vom Flughafen in das rund 100 Kilometer südlich von Tunis gelegene Sousse auf das La

Nach langer Abwesenheit kehrt die junge Frau anlässlich des Begräbnisses ihres Onkels in ihre Heimat zurück. Begleitet wird sie von ihrer Partnerin Alice (Marion Barbeau), doch diese bringt sie in einem Hotel unter, denn sie wagt es nicht ihrer Familie zu gestehen, dass sie lesbisch ist.

Mit Lilias Blick taucht man auch in ihre Familie ein, in der die dominante Großmutter (Salma Baccar) den Ton angibt, während Lilias Mutter (Hiam Abbass) und eine Tante (Feriel Chamari) nichts zu sagen haben. Auch ihren Sohn bringt die Großmutter nur dann ins Spiel, wenn es darum geht, dass er als bekannter Geschäftsmann mit seinen Beziehungen die Ermittlungen der Polizei beeinflussen oder stoppen soll. Fließend brechen auch immer wieder Erinnerungen Lilias an ihre Kindheit herein, wenn ihr die bewegliche Kamera von Sébastien Goepfert durch das alte Stadthaus folgt.

Doch beim Begräbnis ihres Onkels kommt es zu irritierenden Szenen. Verärgert reagiert so die Großmutter auf einen älteren Herrn, der sich vom Toten verabschieden will, und auch zwei Polizisten stellen sich mehrmals ein, denn unklar sind die Umstände des Todes, wurde der Onkel doch nackt aufgefunden.

Zunehmend weitet sich dabei nicht nur das Bild des Verstorbenen, sondern auch das einer repressiven Gesellschaft. Denn wie in der Familie die Homosexualität des Onkels verdrängt und verschwiegen wurde, so geht die Polizei aufgrund alter Gesetze mit Härte gegen Homosexuelle vor. Nur Lilia verschonen sie, auch als sie offen ihre lesbische Beziehung gesteht, denn weibliche Homosexualität nehme man nicht ernst.

Vorübergehend entwickelt sich dieses sanfte Drama mit Lilias eigenen Recherchen zur Geschichte des Onkels auch zu einem Krimi, gleichzeitig deckt Bouzid aber auch sukzessive vielschichtiger auf, wie das repressive Klima in Familie und Gesellschaft das Lebensglück des Onkels zerstörte. Spiegelbildlich ergänzen sich so die Geschichten des Onkels und Lilias, denn auch ihre Beziehung zu Alice droht durch ihre Angst, offen dazu zu stehen zu zerbrechen.
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Kritiken 

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