79. Locarno Film Festival: Weltpremieren, Stargäste und linkes Hollywood-Kino – Eine Vorschau
103 Weltpremieren bietet das heurige Locarno Film Festival (5. - 15.8. 2026). Dazu kommen Klassiker anlässlich der Verleihung von mehreren Preisen, ausgewählte Dokumentarfilme in der Semaine de la critique und eine Retrospektive, die sich unter dem Titel "Red & Black – Hollywood Left and the Blacklist" dem linken US-Kino vor und während der McCarthy-Ära widmet.
Eröffnet wird das 79. Locarno Film Festival mit dem Spielfilm "Les yeux verts", in dem Fanny Liatard und Jérémy Trouilh nach ihrem viel beachteten Erstling "Gagarine – Einmal schwerelos und zurück" von einer Flüchtlingsfamilie erzählen, die fürchten muss, aus dem französischen Dorf, in dem sie leben, deportiert zu werden.
Die Auswahl für die Abendvorstellungen auf der rund 8000 Zuschauer:innen fassenden Piazza Grande scheint wieder den gewohnten Mix zu bieten. Neben den beiden Cannes-Filmen "Paper Tiger" von James Gray und "Congo Boy" von Rafiki Fariala, Petra Volpes Sundance-Teilnehmer "Frank & Louis" und der Kino-Vorpremiere von Olivia Wildes "The Invite" werden als Hauptfilme ausnahmslos Weltpremieren gezeigt.
Als zweite Filme folgen dann – mit Filmstart um oder nach Mitternacht - Klassiker wie David Lynchs "Wild at Heart", Martin Scorseses "Taxi Driver" und Kevin Costners "Dances with Wolves". – Letzterer dürfte dabei eine echte Herausforderung an das Durchhaltevermögen des Publikums darstellen, soll er doch in einer erweiterten, rund vierstündigen Fassung gezeigt werden.
Als Hauptfilm darf am Lago Maggiore mit Dario Albertinis "Armony" ein italienischer Film so wenig fehlen wie für die zahlreichen deutschsprachigen Tourist:innen mit "Ich ist ein anderer" von Felix Randau, der vor neun Jahren schon seinen Ötzi-Film "Der Mann aus dem Eis" am gleichen Ort präsentierte, eine deutsch-österreichische Koproduktion.
Bekanntere Namen in dieser Sektion sind die Franzosen Martin Provost, der nach dem Künstlerfilm "Die Bonnards" mit "Demain je tombe amoureux" ein Beziehungsdrama vorlegen soll, und Marc Fitoussi, der mit "Ni vue, ni connue" eine Komödie präsentieren soll.
Dazu kommen mit "Down the Arm of God" eine in einer texanischen Kleinstadt spielende französisch-amerikanische Koproduktion, in der der Österreicher Peter Brunner von einem jungen Pastor erzählt, der während eines harten Winters Obdachlosen hilft, sowie Sergio Castro-San Martin "Il cileno".
Im 17 Filme umfassenden Wettbewerb um den Goldenen Leoparden fällt nicht nur die Abwesenheit der USA, sondern auch die relativ schwache Präsenz des Gastgeberlandes Schweiz auf, das nur mit "O Jacaré" des Locarno-Stammgasts Basil da Cunha ("Manga d´Terra") vertreten ist.
Ebenfalls schon Locarno-Erfahrung haben der koreanische Schnellfilmer Hong Sangsoo, der "Nun Dul Dega Eomne" ("Nowhere to Lay My Eyes" präsentieren wird, die Deutsche Ann Oren, die vor vier Jahren den experimentellen Spielfilm "Piaffe" zeigte und heuer mit "Objet A" eingeladen wurde, sowie der Kanadier Denis Côte, der "Violence du corps de l´autre" ("Nobody´s Violence") zeigt.
Deutschland ist in dieser Sektion auch mit Isabelle Stevers "I Rarely Wake Up Dreaming" vertreten, dazu kommen aus Europa zwei italienische, eine französische und eine rumänische Produktion. Starke Präsenz zeigt das asiatische Kino mit Filmen aus Indien, Singapur und Vietnam und auch auf Entdeckungen aus Lateinamerika darf man mit "A Margem Do Rio" ("The Riverbank") der Brasilianer Matheus Farias und Enock Carvalho und "Princesa Burro" ("Donkey Princess") der Chilenen Cristóbal León und Joaquín Cocina hoffen.
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