Dua

XK/CH/FR 2026, OV/df, 101', Regie: Blerta Basholli, mit Pinea Matoshi, Vlera Bilalli, Kaona Matoshi
Dua

Filmkritik von Walter Gasperi

Coming-of-Age einer 13-Jährigen vor dem Hintergrund der eskalierenden ethnischen Spannungen im Kosovo der späten 1990er Jahre: Blerta Basholli macht in ihrem konzentriert erzählten und stark gespielten zweiten Spielfilm intensiv und bewegend die Auswirkungen eines Klimas der Gewalt auf den Alltag der Protagonistin und ihre Familie erfahrbar.

Fokussierte Blerta Basholli in ihrem in den frühen 2000er Jahre spielenden Debüt "Hive" auf einer Kosovo-Albanerin, die nach der Ermordung ihres Mannes bei einem serbischen Massaker im Jahr 1999 erst wieder langsam zurück ins Leben finden muss, so spielt "Dua" während der sich zuspitzenden Spannungen zwischen Serben und Kosovo-Albanern in den späten 1990er Jahren.

Der Titel "Dua" ist dabei Programm, denn die von Pinea Matoshi ebenso intensiv wie zurückhaltend gespielte titelgebende 13-Jährige ist nicht nur in jeder Szene präsent, sondern über immer wieder klebt die Kamera von Lucie Baudinaud förmlich an ihrem Gesicht. Schon in der ersten Einstellung liegt der Fokus auf Dua, wenn sie von einer Freundin in einer Toilette für eine Party geschminkt wird, die anderen Mädchen dagegen in Unschärfe getaucht sind.

Hauptgesprächsthema sind natürlich die Jungs, mit denen sie tanzen und die sie küssen wollen und ein ganz gewöhnlicher Partyabend scheint zu beginnen. Doch abrupt kippt die Stimmung, als mit dem Ruf "Polizei" eine panische Flucht der Jugendlichen einsetzt. Keine gewöhnliche Kontrolle ist nämlich zu erwarten, sondern vielmehr müssen die Teenager befürchten, von den serbischen Polizisten schikaniert, sexuell bedrängt und verprügelt zu werden.

Das Klima der Gewalt und der Angst, das Basholli mit diesem Auftakt aufbaut, wird sich in der Folge zunehmend steigern und verdichten. Die am Straßenrand liegende Leiche eines anderen Mädchens, die Dua auf dem Schulweg passiert, macht bewusst, wie gefährlich die Situation ist. Die Aufnahme neuer Schüler:innen in der heimlich als Klassenzimmer genutzten Privatwohnung erinnert an die Flucht von Kosovo-Albanern aus ihren von Serben niedergebrannten Dörfern in die Hauptstadt Pristina. Duas Bruder Vigem möchte sich der paramilitärischen albanischen Organisation UCK anschließen und bestimmte Wege durch die Stadt meidet Dua, da sie dort Angriffe von serbischen Schlägern befürchten muss.

Als sie eines Tages von einem älteren Serben sexuell belästigt wird, beginnt sie mit einer neuen Mitschülerin das Judo-Training zu besuchen, um sich in Zukunft wehren zu können. Auf der Matte steigert sie sich zwar und kann nach zahlreichen Niederschlägen schließlich auch ihre Gegner:innen besiegen, aber im Alltag nützt ihr dies doch kaum. Denn ein wütender Racheakt gegen den übergriffigen Serben hat letztlich nur negative Folgen und, als sich die Situation auf den Straßen zuspitzt, bleibt der Familie nur noch die Alternative, sich in der Wohnung zu verbarrikadieren oder zu flüchten.
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