Queen At Sea
Filmkritik von Walter Gasperi
2008 beeindruckte Lance Hammer im Wettbewerb der Berlinale mit seinem Debüt "Ballast". 18 Jahre lang hörte man danach nichts mehr vom Amerikaner, doch jetzt legt er mit "Queen at Sea" einen starken Zweitling vor.
Sofort ist man mittendrin in diesem Drama, wenn die etwa 60-jährige Amanda (Juliette Binoche) ihren Stiefvater (Tom Courtenay) mit ihrer Mutter Leslie (Anna Calder-Marshall) beim Sex vorfindet. Im Grunde geschieht ja nichts Unrechtes, doch da die Mutter schwer dement ist, ist unklar, ob der Geschlechtsverkehr mit ihrer Zustimmung erfolgte.
Die schon mehrmals geäußerte Drohung, die Polizei zu rufen, macht Amanda nun wahr und bald werden Spuren im ehelichen Schlafzimmer gesichert, die Mutter in der Rechtsmedizin untersucht und der Stiefvater vorübergehend verhaftet. Auch eine Sozialarbeiterin kommt vorbei, um über eine Einlieferung in ein Pflegeheim zu sprechen.
Übergriffig und bevormundend erscheint dabei aber bald nicht mehr der Stiefvater bzw. Ehemann, der sich fürsorglich um seine demente Frau kümmert, sie streichelt, füttert und mit ihr täglich spazieren geht, sondern vielmehr die Mutter und die Behörden, die glauben zu wissen, was das Beste für Leslie ist.
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