NAZA

GB/US 2026, OV/df, 80, Regie: Yuval Abraham, Rachel Szor, Dokumentarfilm
NAZA

Filmkritik von Walter Gasperi

Yuval Abraham und Rachel Szor decken in ihrem beim Filmfestival von Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichneten Dokumentarfilm in Interviews mit Whistleblowern der israelischen Armee und des Geheimdienstes die israelische Kriegsführung in Gaza auf: Ein einseitiger, aber erschütternder Einblick in eine systematische Maschinerie des kalten und technisierten Mordens und Vernichtens.

Nachts sitzt der israelische Journalist und Filmemacher Yuval Abraham auf einem Hochhausdach von Tel Aviv. Vor den erleuchteten Fenstern anderer Häuser und den Lichtern des Stadtverkehrs interviewte er zwischen Herbst 2023 und 2026 24 Whistleblower der israelischen Armee und des Geheimdienstes. Zum Schutz der Interviewpartner wurden ihre Gesichter in Dunkelheit getaucht und ihre Stimmen verfremdet.

Die Anonymisierung der Zeugen ist unvermeidlich, aber auch eine Schwäche von "NAZA", doch die Schilderungen schockieren dennoch. Nur mit kurzen kleinformatigen, schwarzweißen Archivaufnahmen über die Entstehung Tel Avivs ab 1900 nicht auf Wüstensand, sondern auf einem palästinensischen Dorf und über den Ausbau der israelischen Nachrichtenkommunikation in Gaza nach der Besetzung des Küstenstreifens im Jahr 1967 mit dem Ziel der Überwachung der palästinensischen Bevölkerung wird das nächtliche Hochhausdach verlassen.

Im Zentrum stehen aber die Interviews. Abraham lässt seine Zeugen erzählen, fragt aber immer wieder ruhig nach. Zunehmend plastischer tritt dabei eine systematische Maschinerie des technisierten Mordens und der Vernichtung zu Tage. In scharfem Gegensatz zu kurzen Nachrichtenausschnitten, in denen der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betont, dass versucht werde, zivile Opfer zu vermeiden, ergeben die Schilderungen der Whistleblower nämlich ein völlig anderes Bild.
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