À Bicyclette!
Filmkritik von Walter Gasperi
Ein rund 60-jähriger Franzose bricht mit seinem langjährigen Freund zum Gedenken an seinen tragisch verstorbenen Sohn zu einer Radreise von der französischen Atlantikküste nach Istanbul auf: Ein quasidokumentarisches, großteils improvisiertes Roadmovie, das bewegend zwischen Trauer über den Verlust und Feier des Lebens pendelt.
Mathias Mlekuz hat in seinem zweiten Spielfilm seine eigenen Erfahrungen verarbeitet. Der tragische Tod seines Sohnes Youri, der 2018 mit dem Fahrrad von La Rochelle nach Istanbul gefahren war, bewegte ihn zur Wiederholung dieser Tour. Als Begleiter dafür gewann er seinen langjährigen Freund Philippe Rebbot, mitgenommen wurde aber auch der Foxterrier Lucky.
Youris Fotobuch über diese Reise sollte ihnen als Leitfaden dienen und so brechen sie nach einer Abschiedsfeier mit Freunden, bei der auch des Verstorbenen gedacht wird, zu dieser mehrmonatigen Tour auf. Keine exklusiven Reiseräder werden dabei aber benützt und alles andere als sportlich wirkt auch das Duo. Während Matthias einige Kilos zu viel hat, raucht Philippe ständig und auch Anzug und Krawatte sind nicht gerade die passende Kleidung für eine solche Tour.
Auch auf die klassischen Inserts zu Orten der Reise und Reisedauer verzichtet Mlekuz. Spärlich gesät bleiben auch die Begegnungen, die die beiden Freunde unterwegs machen. Während das Treffen mit einer strengen Wienerin, die ihnen in ihrem Airbnb Unterkunft gewährt, auch aufgrund der Kommunikationsprobleme für Witz sorgt, philosophieren sie in Rumänien mit einem ausgewanderten Franzosen vor dessen abgebranntem Haus über ihre persönliche Situation und in Istanbul treffen sie schließlich Youris letzte große Liebe.
Davon abgesehen liegt der Fokus aber auf Mathias und Philippe, die zwar wie Youri hin und wieder in Volksschulen als Clowns auftreten, weitgehend aber unter sich bleiben. Mal scherzen sie, mal streiten sie, mal liefern sie sich ein Wettrennen und zweimal legen sie auch einen Wegabschnitt per Bus zurück.
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