Soudain

FR/JP/DE/BE 2026, 196', Regie: Ryūsuke Hamaguchi, mit Virginie Efira, Tao Okamoto, Gabriel Dahmani
Soudain

Filmkritik von Walter Gasperi

Sanft und mit größtem Einfühlungsvermögen erzählt Ryūsuke Hamaguchi von der Leiterin eines Pariser Pflegeheims, die sich für eine wertschätzende Pflege der dementen Bewohner:innen einsetzt, und ihrer unheilbar an Krebs erkrankten japanischen Freundin: Eine durch ihr großartiges Ensemble und ihre zurückhaltende Inszenierung zutiefst berührende, meisterhafte Schule der Achtsamkeit und des Respekts.

Zwar kann sich der 48-jährige Japaner Ryūsuke Hamaguchi, wie "Wheel of Fortune and Fantasy" (2021) oder "Evil Does Not Exist" (2023) zeigen, auch mit einer üblichen Filmlänge von rund zwei Stunden zufriedengeben, doch wenn er es für nötig hält, lässt er einem Film auch mehr Zeit. 317 Minuten lang ist so "Happy Hour" (2015), in dem er dem Lebensweg von vier Freundinnen folgt, und immerhin 179 Minuten beträgt die Laufzeit des Oscar gekrönten Meisterwerks "Drive My Car" (2021).

"Soudain – All of a Sudden" ist nun beachtliche 196 Minuten lang und wird von ausführlichen Dialogen dominiert. Das könnte leicht ermüdend und langatmig sein, doch schon in den ersten Minuten nimmt Hamaguchi mit seiner ebenso feinfühligen wie zurückhaltenden Inszenierung gefangen.

Sofort ist man mitten drin in diesem Film, wenn sich Marie-Lou (Virginie Efira) als Leiterin eines Pariser Pflegeheims für Menschen mit Demenz für die Einführung der Methode der Humanitude einsetzt. In Blickkontakt, Sprache, Berührung und Vertikalität – also durch Förderung des aufrechten Gangs – sollen die Bewohner:innen wertschätzend behandelt und in ihrer Situation gefördert werden. Wie das konkret aussieht, vermittelt eindringlich schon die Einschulung fürs richtige Anklopfen und Eintreten in die Zimmer der Bewohner:innen.

Doch bei der Umsetzung ihrer Ideen stößt Marie-Lou, die selbst kurz vor einem Burn-out steht, auf Widerstand sowohl bei den Betreibern des Pflegeheims, die mehr investieren sollten, als auch bei Teilen des Personals, die eine noch höhere Arbeitsbelastung befürchten.
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