Renoir
Filmkritik von Walter Gasperi
Chie Hayakwa zeichnet in ihrem zweiten Spielfilm ein einfühlsames Porträt einer einsamen Elfjährigen, die vor der unheilbaren Krebserkrankung ihres Vaters in eine Fantasiewelt flüchtet: Ein leises und unaufgeregtes Drama mit einer großartigen Yui Suzuki in der Hauptrolle.
Nachdem Chie Hayakawa in ihrem Debüt "Plan 75" (2022) ein dystopisches Bild eines zukünftigen Japans zeichnete, in dem aufgrund der Überalterung der Gesellschaft ein Euthanasie-Programm für Menschen ab 75 Jahren staatlich gefördert wird, blickt die 1976 geborene Japanerin in "Renoir" in die 1980er Jahre und rückt statt einer Seniorin eine Elfjährige ins Zentrum.
Wie schwierig die Finanzierung des Films gewesen sein dürfte, vermittelt eindringlich die schier endlos lange Liste von Koproduktionspartnern und die sich um den Globus spannende Liste an damit involvierten Ländern.
Den Titel "Renoir" wählte Hayakawa, weil sie selbst als Kind wie ihre Protagonistin von Auguste Renoirs Gemälde "La petite Irène" verzaubert war und wie diese auch eine Reproduktion davon in ihrem Zimmer aufhängte. Aber auch in der Dominanz von sanften Farben und der Erzählweise kann man eine Reverenz an den französischen Impressionisten sehen. Hayakawa entwickelt nämlich nicht stringent eine Geschichte, sondern reiht vielmehr unaufgeregt und impressionistisch Szenen aneinander, die eine Stimmung beschwören und sich zu einem zunehmend komplexeren Bild der elfjährigen Fuki verdichten.
Nicht nur mit der Begeisterung für "La petite Irène" hat Hayakawa dabei eigene Erfahrungen eingearbeitet. Denn wie Fuki im Film war auch die Regisseurin 1987 elf Jahre alt und auch ihr Vater erkrankte damals an Krebs.
Weil sich die Krankenhausaufenthalte von Fukis Vaters häufen und die Mutter durch ihren Vollzeitjob gefordert ist, ist das Mädchen zunehmend sich selbst überlassen. Für Kartentricks begeistert sie sich ebenso wie für TV-Sendungen über telepathische Fähigkeiten und beginnt so auch bald bei einer Nachbarin mit Hypnose zu experimentieren.
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