La Maison Des Femmes
Filmkritik von Walter Gasperi
Mélisa Godet zeichnet ein dichtes und ungeschminktes Porträt der belastenden Arbeit in einem Pariser Frauenhaus ebenso wie der Schicksale der gewaltbetroffenen Frauen: Ein von einem großartigen Ensemble getragenes, kraftvolles und trotz des ernsten Themas hoffnungsvolles Spielfilmdebüt.
Ein Vorspanninsert informiert, dass Mélisa Godet, die auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, sich vom realen Frauenhaus in Pariser Vorort Saint-Denis inspirieren ließ. Dieses wurde 2016 von der libanesischen Ärztin Ghada Hatem-Gantzer initiiert. Quasidokumentarisch ist "La maison des femmes" so auch im ungeschönten Blick auf die Problem- und Arbeitsfelder, die im dynamischen Auftakt dicht aufeinanderprallen.
Während Frauen in einem Gesprächskreis über erfahrene Gewalt und Vergewaltigung berichten, kümmert sich das Personal in der Aufnahme um die zahlreichen Hilfe- und Schutzsuchenden. Eine Gynäkologin (Karin Viard) wiederum betreut Frauen mit Genitalverstümmelung, denen sie eine Operation zur Rekonstruktion anbietet, und in einem Karatekurs soll das Selbstvertrauen der traumatisierten Frauen gestärkt werden. Für äußeren Druck sorgen zwei Beamt:innen vom Sozialamt, die die Einrichtung auf ihre Effektivität und weitere Förderungswürdigkeit prüfen.
Als Identifikationsfigur fürs Publikum bietet sich die junge Assistenzärztin Inès (Oulaya Amamra) an, die im Frauenhaus ein Praktikum antritt, danach aber einen Job in einer Privatklinik antreten will. Doch Inès ist nur eine der zahlreichen Protagonist:innen. In schnellem Rhythmus wechselt Godet zwischen den Arbeitsfeldern ebenso wie zwischen ärztlichem Personal und Opfern. Dicht wird so die fast permanente Anspannung und der Druck vermittelt, unter dem das Team steht. Zeit lässt sich der Film aber auch für die Opfer, die immer wieder in langen Großaufnahmen bewegend von ihrem Schicksal erzählen können.
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| - Nora Nater für outnow.ch | - Rebecca Leffler für screendaily.com |
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