L'Affaire Bojarski

FR 2025, F/d, 129', Regie: Jean-Paul Salomé, mit Reda Kateb, Sara Giraudeau, Bastien Bouillon, Pierre Lottin
L'Affaire Bojarski

Filmkritik von Walter Gasperi

In der Nachkriegszeit entwickelte sich der während des Zweiten Weltkriegs nach Frankreich geflüchtete Pole Jan Bojarski zum brillanten Geldfälscher: Jean-Paul Salomé zeichnet seine Geschichte als Mix aus packendem Heist-Movie, Ehegeschichte und Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei nach.

Mit der Krimikomödie "Eine Frau mit berauschenden Talenten" (2020) gelang Jean-Paul Salomé wohl nicht zuletzt dank Hauptdarstellerin Isabelle Huppert ein beachtlicher Publikumserfolg. Nachdem der 66-jährige Franzose in "La syndicaliste – Die Gewerkschafterin" (2022) wieder mit Huppert die nur wenige Jahre zurückliegende Geschichte einer Gewerkschafterin, die gegen die dubiosen Machenschaften der Atomindustrie kämpft, nachzeichnete, taucht er nun in "L'affaire Bojarski - Der perfekte Schein" in die Nachkriegszeit ein.

Schon bevor die Bilder einsetzen sorgen metallene Klänge für Spannung, ehe mit einem ebenso brutalen wie perfekt geplanten Überfall auf einen Transporter in einer einsamen Waldgegend die Bilder dazukommen. Von diesem furiosen, 1951 spielenden Auftakt blendet Salomé ins Jahr 1943 zurück. Gerafft bietet er Einblick in Czesław Jan Bojarskis (1912 – 2003) Tätigkeit als Passfälscher und über den Dialog in die Flucht des polnischen Offiziers aus einem ungarischen Gefangenenlager nach Frankreich.

Zügig werden Jahre übersprungen, wenn auf die Hochzeit mit Suzanne die Gründung einer Familie und Bojarskis Versuch als Erfinder zu reüssieren folgt. Doch die Industriellen zeigen kein Interesse an seinem klecksfreien Füller oder einem elektrischen Rasierer und die Patentbehörde schikaniert ihn wegen mangelnder Französischkenntnisse. Prägnant deckt Salomé die Ausländerfeindlichkeit und die Chancenlosigkeit von Migranten auf, die Bojarski zunächst zwingt schlecht bezahlte Gelegenheitsjobs anzunehmen und ihn dann in eine Geldfälscherbande einsteigen lässt, ehe er sich selbstständig macht.

Dicht treibt Salomé die Handlung voran, lässt sich aber gleichzeitig doch viel Zeit für den komplizierten Prozess des Fälschens. Zur Kunst wird dieser hier, wenn Bojarski zunächst nach dem richtigen Papier für die Blüten sucht, dann mit Akribie die Druckplatten ritzt und zahlreiche Probedrucke folgen. Man spürt die Faszination des Regisseurs für diesen eleganten Verbrecher, der alles daransetzt, unauffällig zu bleiben, seinen Lebensstil nicht ändert, in jedem Geschäft nur einen falschen Schein einsetzt und seine Noten in ganz Frankreich verteilt.

In drei Kapiteln spannt Salomé den Bogen vom 1000-Franc-Schein "Minerva und Herkules" über den 5000-Franc-Schein "Erde und Meer" bis zum – nach der Einführung des neuen Franc 1960 - 100-Franc-Schein "Bonaparte". Obwohl sich die Handlung so über 15 Jahre erstreckt, gelingt eine bruchlose Erzählung. Souverän wird dabei das Porträt Bojarskis, der sich als Künstler sieht, mit seiner Ehegeschichte und dem Katz- und Maus-Spiel, das er sich mit dem ihn jagenden Kommissar Mattei liefert, verknüpft.
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- Norbert Creutz für letemps.ch - Fabien Lemercier für cineuropa.org
   
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