Gelbe Briefe
76. Berlinale 2026: Goldener Bär
Filmkritik von Walter Gasperi
Ein türkisches Künstlerehepaar verliert wegen seines politischen Engagements seine Arbeit. Die zunehmend prekäre finanzielle Situation wirft die Frage auf, ob sie sich anpassen oder an ihren Idealen festhalten sollen: İlker Çatak dekliniert in seinem bei der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichneten Drama mit einem großartigen Ensemble und starken Dialogen packend das moralische Dilemma durch.
2023 legte İlker Çatak mit "Das Lehrerzimmer" ein dichtes Kammerspiel vor, das auch für den Oscar nominiert wurde. Mit einer großartigen Leonie Benesch als junge Lehrerin erzählte er weitgehend konzentriert auf eine Schule als Schauplatz anhand der schulischen Untersuchung eines Diebstahls nicht nur von Alltagsrassismus, Mobbing und Vorverurteilung, sondern auch von einem sich steigernden moralischen Dilemma der Protagonistin.
Auch in seinem neuen Film "Gelbe Briefe" verhandelt der 42-jährige Filmemacher ein moralisches Dilemma, stellt es aber in den Kontext staatlicher Repression. Packend diskutiert er anhand der Geschichte eines politisch engagierten Künstlerehepaars die Frage, wie weit man für seine Ideale geht und wann man unter staatlichem Druck klein beigibt und sich anpasst.
Am Beginn steht noch der begeisterte Applaus für die Schauspielerin Derya für ihre Leistung im neuen Stück ihres Mannes Aziz. Wie Kamerafrau Judith Kaufmann mit dynamischer Kamera Derya durch die Gänge des Theaters folgt, wie der Schnitt von Gesa Jäger zwischen ihr und ihrem sich um die Premierengäste kümmernden Mann wechselt, erzeugt von Anfang an großen Drive und zieht die Zuschauer:innen ins Geschehen hinein.
Weiter zur ganzen Filmkritik auf film-netz.com
Kinos
| Zürich | Basel | St. Gallen | |||
|
|
|
|
Kritiken
| Verleiher |
| Filmcoopi |