Digger
Filmkritik von Walter Gasperi
Ein Richtung Europa driftender gewaltiger Eisberg, ein superreicher Ölbaron, ein todkranker US-Präsident und seine Generäle sowie auf der anderen Seite Warner vor der globalen Katastrophe: Alejandro González Iñárritu ist am Puls der Zeit, aber seine Satire bietet mehr lahmen Klamauk als wirklichen Biss.
Das Ensemble ist exquisit: Ein kaum wiederzuerkennender Tom Cruise als alter Ölbaron Digger Rockwell, Sandra Hüller als seine Schwester, die ein Unternehmen für Nachhaltigkeit leitet, John Goodman als US-Präsident und Riz Ahmed als Diggers Umweltbeauftragter. – Spielen können diese Stars zweifellos, doch mit ihrem bewussten extremen Overacting werden ihre Figuren nicht zu Charakteren aus Fleisch und Blut, sondern zu Karikaturen – und "Digger" bleibt trotz seines Einfallsreichtums leblos.
Das Vorbild von Stanley Kubricks pechschwarzer Satire "Dr. Strangelove: or or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb" (1964) ist vor allem in den Szenen unübersehbar, in denen Digger mit dem US-Präsidenten und den Militärs berät, wie die Katastrophe abgewendet werden könnte. Diese droht nämlich, weil sich ein gewaltiger Eisberg von der Arktis gelöst hat und Richtung Europa driftet.
Interessiert Digger zunächst nur seine bedrohte Bohrplattform, erkennt er langsam doch den Ernst der Lage und sucht nach Lösungen. Wichtiger ist ihm aber doch seine Katze, die seit Jahren bei ihm im Bett schläft, nun aber todkrank ist. Nur eine Aschenurne wird schließlich noch von ihrer früheren Existenz zeugen. Auf diese Hinfälligkeit, aber auch auf die Allmachtsfantasien Diggers verweisen aber auch die zahlreichen Trophäen von Nashorn bis zu Hirschgeweih in seinem weiträumigen Anwesen.
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