Calle Málaga
Filmkritik von Walter Gasperi
Carmen Maura brilliert als Seniorin, die von ihrer Tochter in ein Pflegeheim abgeschoben wird, sich aber widersetzt und nochmals Lebensfreude findet: Gefühlvoll und rund inszeniertes, warmherziges Feelgood-Movie über Selbstbestimmung im Alter und Bindung an ein Milieu, das sich aber auch in bekannten Bahnen entwickelt und Ecken und Kanten weitgehend vermissen lässt.
Nah dran an Zimt, Paprika und weiteren Gewürzen und Früchten ist die Kamera von Virginie Surdej in der ersten Szene, wenn die auf die 80 zugehende Maria Ángeles (Carmen Maura) auf dem Markt von Tanger einkauft. Wie in diesem Auftakt und der anschließenden Kochszene so entwickelt Maryam Touzanis dritter Spielfilm auch später im nahen Blick auf den gealterten Körper und die fleckige Haut der Protagonistin eine Sinnlichkeit, die schon ihre ersten beiden Spielfilme "Adam" (2019) und "Das Blau des Kaftans" (2022) auszeichneten.
Die Marokkanerin, die "Calle Málaga" ihrer Großmutter gewidmet hat, hat nun aber nicht nur erstmals auf Spanisch statt wie bisher auf Arabisch gedreht, sondern hat sich auch sehr stark an die Muster des europäischen Feelgood-Kinos angepasst. Wenn der Vorspann endet, trifft auch schon Marias in Madrid lebende Tochter Clara in der marokkanischen Küstenstadt ein. Nicht nur Scheidung, die Erziehung von zwei Kindern und beruflicher Stress belasten sie, sondern auch ihre finanzielle Situation ist angespannt.
So will sie die Wohnung der Mutter, die ihr der vor über 20 Jahren verstorbene Vater überschrieben hat, verkaufen, und die Mutter selbst überreden, mit nach Madrid zu kommen oder ins spanische Seniorenheim von Tanger zu ziehen. Ein Riss geht damit durch die Mutter-Tochter-Beziehung, jede Kommunikation bricht ab. Für die Mutter sind nämlich die mit zahlreichen Erinnerungen verbundene Wohnung, in der sie über 40 Jahre lebte, und die Bewohner:innen ihrer Straße, das Umfeld, aus dem sie Lebensfreude schöpft.
Man spürt Marias inneren Widerwillen und die Trauer, wenn sie wortlos dem Verkauf ihrer Möbel - und auch ihres geliebten Plattenspielers - zusieht. Auch die Übersiedlung ins Seniorenheim nimmt sie notgedrungen hin, doch in der neuen Umgebung stirbt sie förmlich innerlich. Teilnahmslos sitzt sie im Gemeinschaftsraum, nimmt allein ihr Essen zu sich, bis ihr die Bevormundung zu viel wird.
So erwacht ihr Widerstandswillen und sie verlässt das Seniorenheim unter dem Vorwand zu ihrer Tochter zu ziehen, kehrt in Wahrheit aber in ihre Wohnung in Tanger zurück. Probleme wie die Besuche des Maklers mit Wohnungsinteressenten und Geldmangel sind damit vorprogrammiert, und auch der Rückkauf der geliebten Möbel von einem scheinbar nur am Geld interessierten, gefühllosen Antiquitätenhändler stellt eine Herausforderung dar.
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